Premieren: Wasserski

Ich liebe ja die unweigerlich steile Lernkurve, wenn ich was Neues ausprobiere. Zum Beispiel heute einen Wasserski-Anfängerkurs. Seit wir hier wohnen denke ich bei jedem Stadtparkbesuch (und ich bin oft im Stadtpark): „irgendwann …“. Heute ist es also soweit. Wir sind zehn Anfänger, haben die Anlage für uns allein und zwei Stunden Zeit. Nach einer kurzen Einweisung geht es direkt los – ich habe mich in einem unachtsamen Moment ganz links in der Reihe einsortiert und darf anfangen.

1. Start: zack, Bauchklatscher.
2. und 3. Start: ich komme irgendwie in der Hocke bis zur ersten Schikane und beobachte, wie meine Knie immer weiter nach innen und die Füße nach außen wandern. So langsam sollte ich mal hoch. Aber das ist so wackelig. Abflug. Ich erkenne einen klaren Vorteil des Wakeboards: man muss nur ein Sportgerät wieder einfangen. Ich überlege, welchen der in entgegengesetzte Richtungen davondümpelnden Skier ich als erstes wieder einsammeln soll, um die anderen möglichst wenig zu stören.
4. Start: irgendwie schaffe ich es, aus der Hocke hochzukommen. Ich fahre Wasserski. Wahnsinn. Ich lenke nach rechts in Richtung Bojentor der ersten Kurve, als hätte ich nie was anderes gemacht, durchfahre es und bin plötzlich mit einer unerwarteten Situation konfrontiert: ich stehe noch, ich habe die erste Kurve tatsächlich geschafft, und da vorn ist schon die nächste. Außerdem schwimmt da jemand vor mir im Wasser. Ich verfehle das zweite Bojentor um ein paar Meter, schaffe die Kurve so natürlich überhaupt nicht und gehe baden.

5. Start: Aufstehen klappt schon besser. Ich habe plötzlich Zeit für eine Bestandsaufnahme. Und dafür, das Gefühl zu genießen. Das Rauschen des Wassers, den Wind, die Sonne. Ich schaffe Kurve 1, Kurve 2 (mit der ich später noch Probleme haben werde), Kurve 3 (da ist noch eine?), die lange Gerade, Kurve vier nicht optimal, weil sich der Kopf einschaltet: („Ähäm: Wenn du aussteigen willst, musst du jetzt zur weißen Boje.“ – „Ach ja, richtig.“ – „Willst du aussteigen? Oder willst du noch eine Runde fahren?“ – „Ich weiß nicht, will ich?“ – „Naja, die solltest du dann schaffen, wir sollen ja nicht in der Startzone aussteigen.“ – „Ich weiß … und da stehen auch die ganzen Leute“ – „Von deinem Kurs, die das auch alle nicht können, mach dir da mal keine Gedanken.“ – „Mhmm, weiß nicht. Ich steig mal aus.“ – „Aber doch nicht jetzt schon loslassen!“)

Die nächsten Starts klappen immer besser, ich komme aus der Hocke hoch, ich fühle mich immer sicherer. Die erste Kurve ist kein Problem, aber die zweite. Was die blödeste Stelle zum abfliegen ist, denn dort ist auf einem längeren Stück kein Steg und man muss recht weit schwimmen und maximal weit laufen. Ich versuche es noch zweimal, lande aber jedes Mal im Wasser. Meine Kraft reicht nicht mehr und die Kurve wird zu meinem Angstgegner – nicht hilfreich. Beim letzten Start habe ich keine Chance mehr, die Hantel zu halten. Arme sind alle. Die Zeit ist aber auch schon fast um, also hoch zur Umkleide. Dort werden wir von der Angestellten von der Kasse und zwei fortgeschrittenen Wakeboardjungs empfangen: „Und, wie war’s?“ – „Großartig. Ich komme wieder. Gleich, wenn ich meine Arme wieder benutzen kann.“ – „Also nächste Woche.“ – „Genau. Ich weiß noch nicht, wie ich mich morgen anziehen soll, aber das sehe ich dann morgen.“ – „Mhm, jedenfalls langsam …“ vermutet der eine, „und weinend“ ergänzt der andere. Mag sein. Und soll ich euch was sagen? Das war’s in jedem Fall wert.

Link für die, die es selber mal probieren wollen: Wasserski Norderstedt

Your Workout is complete


Laufen war mir immer ein Graus. Schon in der Schule. Kurzstrecke bis 100 m war gerade noch ok, aber alles, was irgendwie Dauerlauf hieß, war öde, ätzend, fad und mopsig. Wir mussten in der Schule um den Thielenburger See laufen. 2,1 km. Ich hab es gehasst. Es wurde immer ein Spaziergang mit Blumenpflücken daraus. Fragt nicht nach der Zeit … Später hab ich es noch ein paar mal versucht. Um ein paar Kilo abzunehmen war Ausdauersport das Mittel der Wahl. Und ich habe es wieder gehasst, jedes Mal, habe Kopfschmerzen und Blasen bekommen und bin auf verschiedenen wunderschönen Strecken um irgendwelche Gewässer gestolpert, auf der Suche nach meiner Zulänglichkeit, überholt von gazellengleichen Wunderwesen, die jede Strecke mir einer Leichtigkeit … ach, lassen wir das, ihr wisst, wen ich meine.

Seit Ostern 2015 laufe ich nun also. Und es macht mir Spaß. Was hat sich geändert? Eine wichtige Sache: ich sehe das Laufen nicht mehr als Sport, sondern vielmehr als Meditation. Ich mache es ein paar Minuten. Es ist langweilig. Ich mache es noch ein paar weitere Minuten. Es ist noch immer langweilig. Ich mache es noch ein paar Minuten. Es ist nicht mehr langweilig. Es läuft mich. Es passiert von allein. Das ist wunderbar, klappt nicht jedes Mal, aber gelegentlich. Das ist das Eine. Das Andere: die „Trainingspläne“ die im Internet für Anfänger kursieren … nun. Ich benutze inzwischen die App C210K (Couch to 10 km), weil die einen Trainingsplan anbietet, der mich fordert, aber nicht überfordert. Die beginnt nämlich mit 60 Sekunden laufen und 90 Sekunden walken im Wechsel und erwartet von einem nicht, dass man erstmal zwei Minuten durchgehend rennt, um dann eine Minute zu gehen und sich auf einen gesunden Puls herunterzujapsen. Ich höre während der Trainingseinheiten meine Musik, bekomme einen aufmunternden Hinweis, wenn ich die Hälfte geschafft habe, und am Ende verkündet die App mit einem Hauch Überraschung in der Stimme – als hätte sie auch nicht mehr damit gerechnet, ebenso wie ich: „Your Workout is complete!“

Aber wenn der sportliche Aspekt nicht im Vordergrund steht, warum laufe ich dann Volksläufe? Das mache ich nämlich, mein erster Lauf war der Women’s Run über 5 km im Sommer 2015, und seitdem sind einige dazugekommen, zuletzt am Wochenende der Arriba Stadtlauf in Norderstedt. Das sind doch Wettläufe, oder nicht? Ja, im Prinzip schon. Aber. Ich mache das erstens, weil es Spaß macht, etwas zusammen mit Gleichgesinnten zu tun, egal, was die Motivation des Einzelnen dafür ist. Wir waren 790 Starter beim 5 km-Lauf an diesem Wochenende, es hat aus Eimern geschüttet und wir waren vor dem Start schon klatschnass. Und dennoch war die Stimmung super. Hinzu kommt, dass ich eher langsam unterwegs bin. Ich bin am Wochenende 21. von 36 in meiner Altersklasse geworden, also entspanntes hinteres Drittel. Da mache ich mir keine Gedanken darüber, ob die Frau, die mich gerade überholt, mich vielleicht auf den zweiten Platz verweist. Das ist recht weit weg. Und der zweite Aspekt: Mein Ding machen. Mein Tempo laufen, obwohl ich überholt werde, von mir aus auch von Frauen, die älter sind als ich. „Aber ich muss doch schneller sein als die!“ Nein, muss ich nicht. Ich muss meinen Weg finden. Mich nicht von anderen irritieren lassen. Ich bin üblicherweise total glücklich, wenn ich ins Ziel laufe. Egal bei welchem Wetter, egal nach welcher Zeit. Natürlich freue ich mich über eine Steigerung. Aber ich vergleiche mich nicht mit anderen, sondern nur mit mir selbst. Und wenn dann auch noch jemand da ist, der einen anlächelt und einem eine Medaille umhängt – perfekt.

Von einer, die auszog, das Weißwurstmachen zu lernen – fünf Tage Regensburg

Regensburg, so habe ich gelernt, ist die nördlichste Stadt Italiens. Allerdings ist in Italien auch manchmal Mistwetter, und so bin ich, als ich am Mittwoch in meinem Hotel ankomme, klatschnass. Regensburg macht dem ersten Teil seines Namens Ehre.

Ich habe ein Zimmer im Hotel David gebucht, in der Nähe des Tagungshotels, in dem ich viel Zeit verbringen werde. Im Tagungshotel selbst habe ich nichts mehr bekommen. Das Hotel David ist eine denkmalgeschützte ehemalige Kapelle, es gibt keinen Aufzug und kaum eine gerade Wand. Die Wände sind grob verputzt, der Boden uneben und die Dusche ist eine Badewanne mit Löwenfüßen, und vom Fenster habe ich einen Blick auf die Donau und auf das Tagungshotel. So weit schon mal ziemlich gut. Ich lege mich notdürftig trocken und mache mich auf dem Weg zum Tagungsbüro.

Der Anlass meiner Regensburg-Reise ist das Jahrestreffen von Mensa Deutschland. Rund um die jährliche Mitgliederversammlung, die jedes Jahr in einer anderen Stadt stattfindet, hat das lokale Orgateam ein buntes Rahmenprogramm zusammengestellt. Ich bin dieses Jahr zum ersten Mal dabei und einigermaßen aufgeregt. Im Tagungsbüro, meiner ersten Anlaufstelle, bekomme ich Coupons für meine im Vorfeld gebuchten Veranstaltungen – ich werde unter anderem einen Weißwurstworkshop besuchen, Schafkopf spielen lernen, mehreren Vorträgen lauschen und einen Ausflug zum Hundertwasserturm in Abensberg unternehmen -, ein Ticket für den RVV (das ich eigentlich nicht brauche, denn in Regensburg ist, wie sich herausstellen wird, alles sehr gut zu Fuß erreichbar), Infomaterial und mein Namensschild an einem roten Schlüsselband mit Mensa-Emblem, das mir in den folgenden Tagen viele spannende Gespräche und konspirative Lächeln einbringen wird.

Vom Tagungsbüro geht es im gestreckten Galopp – ich bin spät dran – zum ersten Termin, einem Kaffeeklatsch für Neulinge beim Jahrestreffen (oder JT, Mensaner sind Abkürzungsfans). Da es mein erstes Jahrestreffen ist, nehme ich die Gelegenheit, alten Hasen Fragen zu stellen, gern wahr. Zum Beispiel: Wie streng ist der Dresscode beim Galadiner? Könnte man da, sagen wir, im Dirndl auftauchen? Ich lerne: Tracht geht in Bayern immer. Gut. Ich besitze zwar kein Dirndl, bin aber mit dem festen Vorsatz hergekommen, das zu ändern. Und dann kann ich es gleich einweihen. Abends sind jeweils Stammtische angesetzt, am ersten Abend bin ich dabei, führe tolle, vielseitige Gespräche mit vielen Menschen, schaue zu, wie Dortmund die Bayern aus dem Pokal wirft und treffe einen Nachbarn, der im echten Leben zwei Hauseingänge neben mir wohnt. Die Welt ist ein Dorf. Ich falle deutlich später als geplant glücklich in mein Hotelbett.

Der nächste Tag beginnt mit einer alternativen Stadtführung mit dem Titel „Mein Selfie aus einem unbekannten Regensburg“. Wir werden durch Regensburgs schmalste Gasse geführt, bekommen die beste Stelle für ein Foto vorm Schloss gezeigt und besuchen den Milchpilz (ein Café in der Form eines Fliegenpilzes) und ein Parkhaus, das die alte Stadtmauer integriert. Ich präge mir alles so gut es geht ein, um am Wochenende bei schönerem Wetter wiederzukommen. Denn eine Fototour bei Regenwetter ist jetzt nicht wirklich sinnvoll – die Fotos in diesem Eintrag sind fast alle vom Wochenende, denn bis Freitag Nachmittag wird es gnadenlos weiterschütten.

Mein erster Vortrag trägt den Titel „Gedanken eines Autisten: allein oder einsam?“ Der Referent Werner Kelnhofer weiß seit zehn Jahren (er ist 65 Jahre alt), dass er Asperger hat. Er berichtet mal ernst, mal unterhaltsam aus seinem Allltag und beantwortet sehr offen alle unsere Fragen. Ich nehme aus diesem Vortrag sehr viel mit, auch und gerade persönliches.

Die fast dreistündige Pause vor der nächsten Veranstaltung nutze ich für die Mission Dirndlkauf. Ich liebäugle schon länger mit einem Dirndl, Nordlicht hin oder her, und habe mir im Vorfeld den Laden Wirkes Dirndl Trachten & Ledermoden ausgesucht. Denn wenn ich mir so ein Kleid kaufe, dann natürlich vor Ort und unter fachkundiger Beratung – ich hab schließlich keine Ahnung, wie so etwas sitzen muss. Am Ende ist es aber doch viel einfacher als erwartet, gleich das erste passt und gefällt mir supergut. Ich mag die vielen kleinen Details – hier noch eine Paspel, da noch eine Spitze, Herzchen am Reißverschlussgreifer, so Dinge halt. Und für die volle Dröhnung bayrischer Kultur gibt es im Anschluss den Schafkopf-Workshop für Anfänger im Hofbräuhaus. Ich stelle fest, dass meine Doppelkopfkenntnisse mir nützen, und die zwei Stunden in lustiger Runde vergehen wie im Flug.

Der letzte Termin des Tages ist dann ein Besuch der Sternwarte Regensburg, und hier überlege ich das erste Mal, ob ich nicht schwänzen soll … aufgrund des Wetters können wir nicht auf die Plattform – es ist zu glatt und man würde ohnehin nichts sehen. Es gibt also einen zweieinhalbstündigen Vortrag über Kosmologie. Im Dunkeln. Abends um neun. Nach einem üppigen Essen. Die anschließende Führung durch die Räume halte ich sehr kurz und mache mich aus dem Staub.

Der Freitag beginnt aufgrund eines abgeschalteten Weckers zu spät und demzufolge mit einem Kaltstart, ich schaffe es aber noch rechtzeitig zum WeißWurstWorkshop in den Ratskeller. Unter fachkundiger Anleitung und mit sehr viel Spaß bereiten wir acht Kilo Wurstbrät zu, jeder bekommt eine Aufgabe – meine ist das Abreiben der Schale von drei Zitronen. Ja, in Weißwurst kommt Zitronenschale. Und Zwiebeln. Und Petersilie. Und die geheime Gewürzmischung. Und kein Hirn, auch wenn das gern behauptet wird. Ich vermute, das liegt an der Farbe. Da kein Nitritpökelsalz verwendet wird, das den Muskelfarbstoff Myoglobin erhält, ist die Weißwurst eben gräulich-weiß und nicht rosa. Man darf die Weißwurst übrigens auch längt schneiden und das Brät aus der Pelle holen (die aus Schweinedarm besteht, der dicker ist als die für andere Würstchen üblichen Schafsdärme und daher nicht mitgegessen wird), man muss nicht zuzeln, also die Wurst in die Hand nehmen und das Brät mit den Zähnen aus der Pelle ziehen. Das geht ohnehin nur mit frischer Weißwurst richtig gut, und nachdem die ersten drei bis vier Zentimeter gegessen sind, wird es, wie ich finde, anstrengend. Dazu gibt es klassisch Brezn, Weißbier und süßen Senf. Ich muss noch Zubehör für meine Küchenmaschine besorgen, dann kann es losgehen mit der heimischen Weißwurstproduktion.

Gut gestärkt mache ich mich anschließend auf den Weg ins Tagungshotel zu meinem nächsten Vortrag mit dem Titel „Hoffentlich merkt´s bloß keiner …“ Ute Gietzen-Wieland spricht über das Impostor-Phänomen oder Hochstapler-Syndrom, ein kurzweiliger Vortrag mit reichlich Beispielen aus ihrer Coaching-Praxis und am Ende auch einigen Tipps für Betroffene. Beim Hochstapler-Syndrom geht es kurz gesagt darum, dass eigene Erfolge äußeren Faktoren zugeschrieben werden (Glück gehabt/der Lehrer mochte mich/war ja gar nicht so schwer etc.), die Gründe für eigenes Scheitern hingegen in einem selbst gesehen werden (ich bin zu dumm/untalentiert/schlecht vorbereitet) Dieses Phänomen trifft besonders häufig Minderheiten, zu denen unter anderem späterkannte Hochbegabte gehören. Auf die eingangs gestellte Frage, wie viele der Zuhörenden von ihrer Hochbegabung erst im Erwachsenenalter erfahren haben, gehen fast alle Arme nach oben, und während des Vortrags höre ich aus den Reihen immer wieder zustimmendes Raunen, ertapptes Lachen, und ich beobachte mich selbst dabei, wie ich ein ums andere mal heftig nicke. Ich habe später an diesem Tag noch die Gelegenheit, mich länger mit der Referentin zu unterhalten.

Die Gespräche, die ich hier führen darf, sind ohnehin der Wahnsinn. Ich habe noch nie so viele Menschen getroffen, mit denen ich so auf einer Wellenlänge bin. Ich breche das Gespräch also eher widerwillig ab, denn ich muss zur Erlebnisführung: Mit dem Nachtwächter unterwegs, leider auch wieder bei Nieselregen. Davon abgesehen ist die Führung wirklich kurzweilig. Wir schreiben das Jahr 1636, in dem der Kaiser seinen Sohn in Regensburg zum König krönen lassen wird. Dafür braucht die Nachtwache Verstärkung – und wir sind die Rekruten. Die 90 Minuten vergehen schnell. Wenn nur der Regen nicht wär … ich setze mich zum Trocknen und auf einen Wein in die Lounge des Hotels.

Am Samstag sehe ich beim Frühstück zum ersten Mal Sonne. Ich beschließe kurzerhand, die mit fünf Stunden angesetzte Mitgliederversammlung zu schwänzen und erkunde auf eigene Faust die Stadt. Am frühen Abend muss ich im Kolpinghaus sein, zur Verleihung des Deutschen IQ-Preises und dem anschließenden Galadinner. Da will ich auch das neue Dirndl einweihen! Ich falle damit überhaupt nicht auf und fühle mich sehr wohl. Irritierte Blicke gibt es erst, wenn ich im Gespräch erwähne, dass ich aus Norddeutschland komme. So einfach ist das mit den Schubladen.

Der Abend wird lang, die IQ-Preis-Verleihung beginnt eine halbe Stunde zu spät, was aber alle Anwesenden mit Fassung tragen. Es werden zwei Preise vergeben, in der Kategorie Intelligenz zum Wohle der Allgemeinheit nutzen gewinnt das Projekt One Dollar Glasses, das eine Brille entwickelt hat, die für sehr wenig Geld und ohne Strom in armen Ländern hergestellt werden kann und die sich die Leute dort für zwei bis drei Tageslöhne leisten können. In der Kategorie Intelligente Vermittlung von Wissen gewinnt ScienceLab, eine Organisation, die Kinder zum Forschen anregt. Beide Organisationen stellen ihre Projekte kurz vor, und besonderes gut gefällt mir die Vertreterin von ScienceLab, sie hat nämlich zwei kleine Experimente dabei und lädt den ganzen Saal zum Mitforschen ein. Beim anschließenden Galadinner sind die Pausen zwischen den Gängen sehr lang. Ich unterhalte mich gut, obwohl ich auch hier niemanden kenne, und es kommt mir gar nicht so lang vor, so dass ich staune, dass es wirklich schon halb zwei ist, als ich das Licht ausmache.

Am Sonntag strahlt die Sonne von einem knallblauen Himmel. Ich bin sehr froh, dass ich mir für die Besichtigung des Hundertwasserturms in Abensberg diesen Termin ausgesucht habe. Wir fahren gut eine Stunde mit dem Bus und werden vor Ort erst durch die Brauerei geführt, bevor wir – nach einen etwas seltsamen Exkurs über den Schlüssel zur Interpretation von Da Vincis Bild Das Abendmahl und noch seltsamerer Begegnung mit ein paar Gartenzwergen, für die der Hundertwasser der Legende nach den Turm gebaut hat – vom 35 m hohen Hundertwasserturm einen fantastischen Blick über die Landschaft und anschließend ein Weißbier im angeschlossenen Biergarten genießen können. Lange verweilen können wir nicht, obwohl das Wetter dazu einlädt, denn der Bus wartet schon, und da wir noch zwei andere Gruppen einsammeln müssen, bevor wir wieder in Regensburg sind, sitzen wir bei schönstem Wetter fast zwei Stunden im Bus. Aber wenigstens die Landschaft, die am Fenster vorbeizieht, ist sehenswert. Zum letzten Stammtisch am Sonntag, dem Nachbrenner, sind dann nicht mehr ganz so viele Leute da, viele sind schon abgereist. Es ist trotzdem eine nette Runde und ein schöner Abschluss. 2018 ist das Jahrestreffen in Aachen. Ich werde wieder dabei sein.

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