Weekly Journal – Woche 46

Die erste Hälfte der Woche war noch sehr geprägt von Bauchkrämpfen und maladem Im-Sessel-sitzen mit Wärmflasche und Strickzeug. Neues von der Futterstation: es kommen – neben Kohl- und Blaumeisen, Dompfaffen, Rotkehlchen, Amseln, Ringeltauben und den Gelbhalsmäusen – jetzt zwei Feldsperlinge (die ein wenig kleiner sind als Haussperlinge und eine weiße Zeichnung am Hals haben – und zwar sowohl die Männchen als auch die Weibchen, keine Ahnung also, ob das ein Paar ist). In der zweiten Hälfte bin ich gleich zweimal abends ausgegangen, einmal ins Theater und einmal zu einem Cocktailabend. Ich bin jetzt Fan von Highballs, der eine, den ich probiert habe, enthielt Himbeeren und rosa Pfeffer, eine großartige Kombination. So. Arbeiten war ich am Donnerstag und Freitag auch wieder, die Kollegen hatten mich schon vermisst.

Stricken, Spinnen & Häkeln
Der Water & Stone ist in seiner Formbeständigkeit leider eher Water als Stone. Vielleicht hätte ich es schon ahnen können, als ich, um die Maschenprobe zu erreichen, deutlich größere Nadeln gebraucht hatte als für die Garnstärke empfohlen wurden. Andererseits sah die Maschenprobe gut aus. Auch nach dem Waschen. Und das zwischendurch immer wieder anprobierte Strickstück war auch in Ordnung. Eigentlich. Die Ärmel waren ein bisschen eng, aber ich hatte damit gerechnet, dass das fertige Teil etwas weiter werden würde. Es ist aber leider nur in die Länge gewachsen. Ich bin nicht ganz so glücklich und habe schon drüber nachgedacht, das Ganze wieder aufzuziehen. Da ich aber fürchterlich perfektionistisch sein kann und es aber gar nicht so selten ist, dass ich ein fertiges Teil erst einmal komplett misslungen finde (was natürlich auch ein Grund dafür ist, dass Dinge ewig brauchen, bis sie fertig werden), entscheide ich das noch nicht jetzt. Eine Maschenprobe mit dem Garn – Cheeky Merino Joy von Rosy Green Wool – mit der empfohlenen Nadelstärke 3,5 habe ich allerdings schon gestrickt. Gefällt mir gut. Ich lasse das mal ruhen, ich kann mir vorstellen, das Garn irgendwann nochmal zu verwenden. Im Moment ist ohnehin die Cria dran. Deren Passe ist fertig, ich habe die Ärmelmaschen stillgelegt und kann jetzt mehr oder weniger mindless geradeaus drauflosnadeln. Wir können demnächst mal über Knöpfe sprechen. Von denen mit dem Atom drauf habe ich vierzehn Stück, allerdings sind die recht schwer. Am besten gefallen mir die silbernen ganz links, allerdings habe ich davon nur sechs Stück, und ich brauche dreizehn. Vielleicht hat mein Knopfdealer davon ja noch mehr, ich bringe das mal in Erfahrung.

Nähen
Ich habe mich verliebt. Ich habe den Deer & Doe-Newsletter in meiner Mailbox gefunden, und da war er, der Opium-Mantel. Der Schnitt! Wie der fällt! Und die Taschen! Schwierigkeitsgrad: 5/5. Ja, okay. Und sowas muss sauber gearbeitet werden, sonst sieht es unmöglich aus. Hinschludern ist nicht. Ich würde meine Nähskills bei 3/5 einsortieren, aber mit „betreutem Nähen“, sprich einem VHS-Kurs, könnte es gehen. Oder mit Schwiegermuttercoaching. Die hat das mal gelernt und es schon gelegentlich angeboten. Spätestens Weihnachten sind wir in Rostock. Und lernen würde ich dabei auf jeden Fall. Ich bin nur immer so unflätig, wenn beim Nähen was nicht klappt, ganz schlimm. Wenn man mir beim Nähen so zuhört, würde man nicht drauf kommen, dass ich mich gerade einem Hobby widme. Also zusammenreißen (nicht beim Schnittmusterkauf, beim Fluchen natürlich). Für diesen Mantel … schaut euch doch bitte nur mal diese Taschen an!

Buch, Bild & Ton
Der Begriff Gaslighting bezeichnet in der Psychologie eine Form psychischer Gewalt, bei der das Opfer gezielt so manipuliert wird, dass es an seiner eigenen Wahrnehmung und an seinem Verstand zweifelt. Er geht zurück auf den Titel eines Theaterstücks, „Gaslight“ von Patrick Hamilton, in dem diese Praxis thematisiert wird, und dieses Stück habe ich diese Woche, inszeniert von den Hamburg Players, gesehen. Ich habe es mehrmals erlebt, dass mir meine Wahrnehmung abgesprochen wurde, ob aus Unverständnis oder böser manipulativer Absicht vermag ich nicht zu sagen. Im Gegensatz zu Bella Manningham, deren sie manipulierender Mann am Ende von der Polizei überführt wird und die bescheinigt bekommt, dass sie keineswegs dabei ist, verrückt zu werden, bin ich immer nur aus der Situation geflohen, meine Zweifel wurden aber nie vollends aufgelöst. Ich habe im Theater zeitweise ziemlich gelitten, die beiden Hauptdarsteller waren schmerzhaft gut. Und ich musste auch an einen Ausschnitt aus einem Vortrag von Vera Birkenbihl denken, den ich euch nochmal rausgesucht habe, und habe mich gefragt: wie kommt Naomi Oevermann, die die Bella Manningham spielt, damit zurecht, jeden Abend auf der Bühne und zuvor monatelang bei den Proben von ihrem Partner so behandelt zu werden? Denn ob der Stress echt oder ausgedacht ist, ist unserem Gehirn egal.

(Es handelt sich dabei um einen Ausschnitt aus diesem Vortrag)

Dies & Das
„50 € Rabatt auf unseren Adventskalender“ – dieses Jahr nehme ich zum ersten Mal so richtig bewusst wahr, was für irre Auswüchse das mit den Adventskalendern inzwischen angenommen hat. Es gibt mittlerweile Adventskalender für jeden Geschmack, was ich sehr schön finde, denn es ist zweifellos recht uninspiriert, jeden Morgen ein kleines Stückchen minderwertige Schokolade aus einer Plastikschablone zu puhlen, auch wenn deren Umhüllung in den Vereinsfarben von Werder Bremen bedruckt ist. Aber muss es alternativ gleich der Wollmeisen-Adventskalender für 179 EUR sein (Sockenwolle, 26 x 30 Gramm)? Ich habe eine Weile über den Rum-Adventskalender nachgedacht. Ich habe bei Bernd in der Weinperle im September Rum probiert, und fand die Idee und die Aufmachung sehr schön, ebenso wie die Vorstellung, unseren Urlaub auf diese Weise um einzelne Inselchen zu verlängern. 24 Sorten Rum, jeweils 2 cl, dazu ein Tumbler. Kosten: 75 EUR für einen knappen halben Liter Rum. Das war mir dann doch zu teuer. Und bei vielen dieser Adventskalender steht ja hinten auch noch drauf, was drin ist, es ist also nicht einmal mehr eine Überraschung (okay, das ist die schlechte Schokolade auch nicht). Ich habe überhaupt nichts gegen einen gepflegten Kaufrausch hier und da, aber ich stelle fest, dass ich bei Adventskalendern eine ziemlich klar definierte Grenze habe, und die liegt interessanterweise genau in Höhe des oben erwähnten Rabatts. Und eigentlich finde ich das schon dekadent. Dennoch habe ich mir dieses Jahr einen Adventskalender ausgesucht und ich freue mich drauf, im Bewusstsein, dass das völlig bescheuert ist. Sichert man sich obigen Rabatt, zahlt man übrigens nur noch neunzig Euro. Fast geschenkt. Ich bin gespannt, wie das weitergeht. Die ersten Osterkalender hab ich schon gesehen. Irgendwann gibt es Geburtstagskalender zum Zahlen selber eintragen.

Pläne für nächste Woche
Ein bisschen Arbeit beim Kunden und ein paar spannende Termine, darunter ein Vorgespräch bei einer Coach, die ich in Regensburg kennengelernt habe und mit der ich seitdem arbeiten möchte. Training hoffentlich. Und alle Strickzeit in die Cria. So machen wir das.

2 Gedanken zu „Weekly Journal – Woche 46

  1. Der Mantel ist ja wirklich bildschön.

    Dem Adventskalender-Hype bin ich auch ein Stück weit aufgesessen, habe mir einen Faseradventskalender bestellt, doppelt soviel Wolle, wie ich gerne gehabt hätte, weil der kleinere ausverkauft war und mich dann hinterher etwas geärgert, weil 240 Gramm Adventskalender natürlich ein kleines bisschen mehr kosten als 240 Gramm es sonst tun würden.
    Für meinen Zweck wäre es auch okay, hundert Gramm irgendeines Spinnfutters in kleine Schnipsel zu teilen und im Advent zu spinnen, ich glaube nicht, dass die Spannung, welche Farbe als nächstes kommt, so sehr zu meinem Vergnügen beiträgt. Sollte ich mir mal für nächstes Jahr merken.

    • Ich hatte vor ein paar Jahren einen Faseradventskalender von Spinnert & Gewollt. Auch 240 g, komplettes Durcheinander was Farben und Fasern angeht. Das hat Spaß gemacht, es war spannend, so viele verschiedene Fasern auszuprobieren. Den Schal, den ich aus dem Garn gestrickt habe, trage ich allerdings nie. Nochmal mache ich das wohl nicht. Ich kriege dieses Jahr den von der Brigitte Box, mit Rabattgutschein ist der im Budget. Und ich freu mich auch drauf. „18 Beauty-Produkte und 6 Food- und Lifestyle-Produkte“ Ob ich davon alles mag und benutze halte ich auch für sehr unwahrscheinlich.
      Ein Bekannter wohnt in einer kleinen Wohnsiedlung, die im Dezember zu einem „Lebenden Adventskalender“ wird – das finde ich so cool! Jeder Nachbar, der teilnehmen möchte, bekommt eine Zahl, die er sich gut sichtbar ins Fenster hängt. Er bereitet für diesen Tag ein bisschen was vor – Gebäck, Getränke, Geschichten, was ihm einfällt – und abends kommt die Nachbarschaft dann dort vorbei, für ein halbes Stündchen stehen sie dann gemeinsam mit dampfenden Glühweinbechern im Carport. Find ich total schön.

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