Weekly Journal – Woche 33

Es ist Sonntag Nachmittag und ich sitze in einem kleinen Café am Burgplatz in Düsseldorf und bereite schon mal diesen Wochenrückblick vor. Ich werde heute Abend erst spät aus Düsseldorf zurückkommen und dann vermutlich nur ins Bett wollen. Und nicht mehr so dringend an den Rechner. Muss ich aber, wegen der Fotos. Ich habe noch keine iPad-App gefunden, mit der ich sie so hinkriege, wie ich sie haben will. Tja, Gewohnheiten: ich hab den Eindruck, dass ich umso irritierter auf Erschütterungen meiner Gewohnheiten reagiere, je älter ich werde. Mein typischer Sonntag Abend verläuft anders als dieser, und ich werde unter Umständen bis Dienstag brauchen, um mich davon zu erholen. Aber es hat sich gelohnt!

Stricken, Spinnen & Häkeln
Mit dem Fading Point bin ich so weit gekommen, wie ich es mir vorgenommen hatte, Farbe zwei ist abgeschlossen. Die Chancen stehen also gut, dass ich das Tuch Anfang September mit nach Langeoog nehmen kann. An den Socken habe ich auch ein wenig weitergestrickt, denn ich bin – schon wieder! – geflogen. Dazu dann mehr weiter unten bei „unterwegs“.

Gesponnen habe ich auch, wie geplant jeden Tag eine halbe Stunde (außer am Wochenende), und, weil es sich bewährt hat, auch immer zu Radrennen im TV. Ich wusste nicht, wie viele Radrennen es gibt. Kein Wunder, hatte ich mich doch bisher so gar nicht dafür interessiert. Gesehen habe ich Etappen der Binck Bank Tour und des Arctic Race of Norway. Und es gibt noch so viel mehr. Die Wolle für die Cria wird fertig werden. Sie spinnt sich anstrengend, das erwähnte ich ja schon. Ich habe Katie von Hilltop Cloud angeschrieben und gefragt, ob ich da vielleicht einen Montagskammzug erwischt habe und ob ich sie irgendwie retten kann? Die Antwort kam prompt: Gotland hat die unerfreuliche Angewohnheit zu verkleben – sie sei nicht richtig verfilzt, aber die mechanische Belastung auf dem Postweg sei genug, um sie in ein verklumptes Häufchen Elend zu verwandeln. Ihr selbst sei das mal mit Islandwolle aus Rhinebeck passiert. Kardieren würde sie retten. Aber das sei nicht die Art und Weise, wie sich ihre Fasern verhalten sollen, daher habe sie mir den kompletten Betrag erstattet. Wow. Das ist mir jetzt fast schon ein bisschen unangenehm. Ich werde dann zu gegebener Zeit zur Beruhigung des Gewissens bei Hilltop Cloud einkaufen.

Außerdem habe ich mir eine Niddy Noddy besorgt. Bisher habe ich das fertig gesponnene Garn immer auf der Haspel zum Strang gewickelt, was allerdings für gewöhnlich ein ziemliches Gehühner war, weil die Haspel durch die Spannung des Garns mit der Zeit in sich zusammensackte, wodurch der Strang am Ende nicht besonders gleichmäßig war. An zuverlässige Lauflängenbestimmung war auch nicht mehr zu denken. Die Niddy Noddy wirkt da deutlich stabiler. Ausprobiert habe ich sie noch nicht, habe aber vertrauensvoll die Seite von Chantimanou angesurft und natürlich hat sie ein Video, in dem gezeigt wird, wie man mit dem Ding umgeht. Chantimanou ist, was Spinnvideos angeht, einfach unschlagbar.

Sport
Sport hatte ich diese Woche nicht auf dem Plan. Ich habe die Einlagen abgeholt und seitdem das Gefühl, in jedem Schuh ein hartgekochtes Ei (mit Schale) zu haben. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber jetzt nicht soooo unangenehm – es sei denn, man rennt den ganzen Tag die Rheinpromenade hoch und runter, das war wohl etwas viel. Nächste Woche möchte ich vorsichtig wieder ins Lauftraining starten. Noch ohne Einlagen, weil die für die Laufschuhe erst noch gemacht werden müssen, und dafür möchte der Techniker erst wissen, wie gut ich mit dem ersten Paar zurechtkomme. Aber dann! Vermutlich wäre es vernünftiger, auf die Einlagen zu warten. Ich mag aber nicht vernünftig sein. Mir fehlt die Bewegung, und wenn ich vorsichtig starte, werde ich dem Meniskus wohl kaum weiteren Schaden zufügen. Es ist der Stadtpark, nicht Tough Mudder.

unterwegs
Am Wochenende war ich beim Wollfestival in Düsseldorf. Es war wirklich sehr schön, und als der erste Ansturm abgeklungen war, kam man auch so nah an die Stände ran, um selber mal einen Strang Wolle oder Fasern in die Hand zu nehmen. Ich habe in erster Linie Ideen und Visitenkarten mitgenommen, weil ich ja noch so viel Material habe. Ich habe viele Garnstränge und Kammzüge à 100 g gesehen, die früher sofort in meinem Einkaufskörbchen gelandet wären, aber ich hatte mir ja vorgenommen, keine Einzelstränge mehr zu kaufen. Und Garn für ein Großprojekt ist derzeit nicht im Budget, weder zeitlich noch finanziell. Ich habe zwei Strickjacken und Garn für eine weitere Strickjacke in Arbeit, das wird mich noch eine Weile beschäftigen. Ich habe mehrere Runden durch die Halle gedreht und bin jedes Mal bei Atelyeah an einem Strang Tosh Merino Light mit Hologlitzer hängengeblieben. Jedes Mal hab ich ihn wieder hingelegt. Um zwanzig vor Feierabend war er immer noch da. Und ich hatte ihn wieder in der Hand. Es gibt ja viele Garne, in denen ein glitzernder Faden mitläuft, aber bei diesem guckt das Glitzer in Fusseln raus, sehr charmant. Und dann die Farben: Grüntöne, die Färbung heißt „Lost in Trees“. Und wie sich herausstellte, gab es noch genau einen weiteren Strang in dieser Farbe. Schicksal. Karma. Liebe auf den ersten, zweiten, dritten und vierten Blick. Die beiden werden zusammen ein Tuch, wahrscheinlich eine Jacinta.

Ich bin ja nicht so sehr in, sondern mehr am Rande der Wollszene unterwegs, besuche kaum Stricktreffen und Festivals, bekomme Trends relativ spät mit. Ich erinnere mich, dass Wollmeise früher – so vor zehn Jahren – der heiße Scheiß war. Für die Stränge wurden auf eBay Mondpreise gezahlt, und was ich oft hörte, war „Hach, Wollmeise, ja, die Farben … aber uiuiui, teuer!“ Verglichen mit dem, was ich an diesem Wochenende auf dem Wollfestival gesehen habe, bewegt sich die Wollmeise mit ihren 22,50 EUR pro 150 g-Strang schon fast im unteren Preissegment. Und die Begeisterung ist, wie ich den Gesprächen entnommen habe, auch abgeebbt – die Stränge seien viel zu überdreht und die Textur des fertigen Gestricks, naja. Ich hab für die beiden Stränge Tosh à 100 g 25,90 EUR pro Stück gezahlt. 90 % Merino, 8 % Acryl, 2 % Stellina (das ist das Glitzer). Merinowolle und Acryl, keine Edelfasern. Okay, handgefärbt und die Wolle ist „ethically sourced in South Africa“ – was immer das genau bedeutet.

Was mir noch gefallen hat: Dibadu hat ein Seide-Leinen-Mischgarn, aus dem ich mir gern eine Jacke stricken würde. Das fertige Gestrick wirkt angenehm kühl, der Leinenanteil gibt eine interessante Textur und die Farben haben mir auch gefallen. Ich habe viele klecksig gefärbte Mohairflausch-Stränge gesehen, unter anderem bei Das Strickzimmer, auf sowas hätte ich mal Lust. Und das Wollhäschen hatte wunderschöne Batts. Die gefilzten Tierchen gab es bei Filzlinge (die ich leider nicht verlinken kann, weil die Webseite derzeit offline ist. Es gibt ein Ladengeschäft in Neuss). Ja, Nadelfilzen … das ist ja auch noch etwas, was ich gern mal ausprobieren möchte. Der VHS-Kurs vor ein paar Jahren ist leider nicht zustande gekommen.

Pläne für nächste Woche
Am Dienstag ist die Tragfähigkeitsprüfung, also der Termin, an dem ich meinen Businessplan der fachkundigen Stelle vorlege. Ich bin furchtbar aufgeregt. Die nächsten Tasks haben keinen Termin, außer ASAP (und wer ASAP muss auch BSAP), es ist ein Portfolio zu erstellen, eine Webseite aufzusetzen, all sowas halt.
Am Wochenende ist das Hamburger Wollfest, zu dem ich nun irgendwie doch ein Ticket habe, eigentlich hatte ich das nicht auf dem Zettel. Aber naja, dann schaue ich da halt mal vorbei. Stricktechnisch steht der Fading Point im Vordergrund, ich möchte so weit kommen wie möglich, also mindestens Farbe 3 abschließen, besser mehr. Oh, und Sport: Lauf- und Krafttraining. Und die Sache mit dem sinnig essen … ich passe in das Kleid rein, so ist es nicht, sogar mit sitzen und atmen. Aber ich passe auch noch mit zwei Kilo weniger rein, da bin ich sicher.

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