München

Es kamen mal wieder mehrere Dinge zusammen. Ein akutes Kribbeln von Reiselust, ein Artikel über Unterkunft-Geheimtipps unter 100 EUR in der Brigitte, ein Hörbuch von Jan Weiler („Kühn hat Ärger“) und vermutlich noch einige Dinge, die mir gar nicht bewusst sind. Jedenfalls formierte sich daraus Ende Juni der Gedanke „Nach München würde ich auch gern nochmal.“ Ich habe in den Geldbeutel, in den Kalender und dann ins Internet geschaut, habe Hin- und Rückflug und die Unterkunft gebucht, überlegt und geplant.

Montag

Am Montag war es dann soweit: um viertel nach zehn am Vormittag ging mein Flieger, um halb zwölf mittags war ich da – theoretisch noch total pünktlich fürs Weißwurstfrühstück. Praktisch wollte ich aber erstmal meinen Rucksack loswerden. Zwar war ich nur mit Handgepäck und auch nur mit dem Nötigsten unterwegs, es war aber sehr, sehr heiß. Daher führte mich mein erster Weg ins Müller Inn in der Müllerstraße 43a – ein kleines Bed & Breakfast im Hinterhof in einem Viertel, das mich spontan an Eimsbüttel oder Winterhude in Hamburg erinnerte. Ein echter Geheimtipp!

Und dann? Unter anderem stand ein Ingress-Mosaik auf dem Programm. Von Ingress, dem Großvater von Pokemon Go, habe ich euch ja schon gelegentlich erzählt. Ein Mosaik ist eine Reihe von Missionen. Für jede Mission bekommt man eine individuelle Medaille für sein Profil, und ein Mosaik ist eine Reihe von Missionen (in meinem Fall 24, aber der Wahnsinn hat keine Obergrenze), deren Medaillen ein Bild ergeben. Ich hatte mir das Marienplatz-Mosaik ausgesucht, denn am Marienplatz war ich schon mal, und mich auf den Weg gemacht. Gut zwei Stunden schien machbar, und diese Mosaike sind quasi kleine Stadtführungen: wenn man die ganze Zeit nicht nur auf sein Smartphone starrt, sieht man auch ein bisschen was von der Stadt. Aber erstmal stärken: das ist am Marienplatz überhaupt nicht schwer, man dreht sich quasi einmal mit ausgestrecktem Finger und geschlossenen Augen und läuft dann in die Richtung und sucht sich einen Sitzplatz. Es gab Bratwürstel mit Sauerkraut, weil es nie zu warm für Sauerkraut ist. Punkt. Und ein Helles, weil das mittags in Bayern völlig normal ist. Aufpassen muss man bei der Mengenangabe: wenn ich hier in Norderstedt ein großes bestelle, bekomme ich 0,5 l. Das ist in Bayern ein kleines.
Und dann das Mosaik: Meine Weg führte mich vom Marienplatz zum Bayrischen Nationaltheater, vorbei an Residenz und Theatinerkirche, die Theatinerstraße runter Richtung Promenadenplatz, die Neuhauser Straße entlang ganz bis zum Stachus, von dort quer durch Straßen, in denen ich ohne Smartphone völlig verloren gewesen wäre, bis ich dann plötzlich wieder vorm Sendlinger Tor stand. Ab da kannte ich mich wieder aus. Die letzten Stationen waren dann Rindermarkt, Sankt-Jakobs-Platz und Viktualienmarkt. Insgesamt knapp sechs Kilometer. Und dann war es auch schon Zeit, mich langsam auf den Weg zum Mensastammtisch am Bavariapark zu machen. Der war gut besucht, ich habe nicht gezählt, aber gefühlt waren wir ein Dutzend Ms, die Gesprächspalette war gewohnt vielfältig, und ich bedauere es, dass ich da nicht beim nächsten Termin werde anknüpfen zu können.

Dienstag

Für Dienstag hatte ich mich vormittags mit Susanne verabredet. Es war klar, dass es angesichts der Temperaturen kein Brachialsightseeing werden würde, sie hatte uns eine Route ausgeknobelt, die größtenteils im Schatten und an der Isar entlang führte und im Biergarten des Hofbräukellers nahe des Wiener Platzes endete. Und wir waren noch rechtzeitig da für Weißwurst. Wunderbar. Strickend und quatschend vergeht so ein Vormittags recht schnell. Wir waren zwischendurch noch in der Mercerie, einem Wollgeschäft mit Café, wo ich eigentlich Knöpfe für meine Cria-Jacke kaufen wollte, aber irgendwie hab ich nix gefunden. Da muss ich dann zu gegebener Zeit im Knopfparadies schauen.

Den Abend habe ich im Englischen Garten verbracht. Habe sehr amüsiert die Leute beobachtet, die sich im Wasser ausgetobt haben und ein wenig bedauert, dass ich kein Badezeug und keine sich selbst verteidigende Handtasche, die ich am Ufer hätte zurücklassen können, dabeigehabt habe. So musste Wassertreten – immerhin untermalt von Westerngitarre, eine ebenso surreale wie zauberhafte Soundkulisse – reichen. Zum Abendessen gab es Leberkäs mit Kartoffelsalat, der mich vom Leberkästrauma meiner Kindheit kuriert hat. Ich hatte ja irgendwie geahnt, dass das Zeug nicht defaultmäßig in der Konsistenz an Leder erinnernd und mit hochgebogenen Rändern kommt. Im Hotel angekommen wollte ich eigentlich nur kurz für ein halbes Stündchen die Augen zumachen, um mich dann nochmal auf ein Bier und zum Leute gucken in die Kneipe zu begeben, aber nix. Die Rennerei in der Hitze forderte ihr Tribut.

Mittwoch

Abreisetag. Mit Gepäck und bei unverminderter Hitze wollte ich nicht so viel laufen, grobe Richtung Isar und da die Füße ins Wasser halten schien mir erstmal ein lohnendes Ziel. Ich habe also den Weg, den ich tags zuvor mit Susanne gegangen bin, genommen, der auch am Deutschen Museum entlangführte. Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine Ahnung, was im Deutschen Museum ausgestellt wird, aber ich wollte a) Schatten b) eine Toilette, und c) jemanden, der mal kurz mein Gepäck nimmt. Und da keine Schlange an der Kasse war und ich weiß, dass ich mich für so ziemlich alles begeistern kann, habe ich ein Ticket gekauft. Und es nicht bereut, obwohl ich längst nicht alles gesehen habe. Das Deutsche Museum hat sechs Etagen, wenn man das Planetarium, für das man ein gesondertes Ticket benötigt, nicht mitzählt, und ist zu groß für einen Besuch. Ich war im Keller und habe Platzangst in nachgebauten Bergwerksstollen erahnt und Grubenpferde bedauert, war dann im zweiten Stock bei den Musikinstrumenten, vor allem den selbstspielenden, bei Technikspielzeug (Fischertechnik, Lego und deren Urgroßväter), Keramik-, Glas- und Papierherstellung, dann im ersten Stock in der Pharmazie, wo man eine historische Apotheke besichtigen, sich zu diversen Krankheiten und Körperfunktionen informieren und in einem Modell einer menschlichen Zelle an einer interaktiven Station Proteine synthetisieren kann. Ich habe erfolgreich Insulin hergestellt. Und was meint ihr, zu wieviel Prozent der menschliche Körper aus Sauerstoff besteht?*
Nach gut zwei Stunden wurde es sehr voll und meine Aufnahmefähigkeit war erschöpft. Das Deutsche Museum muss ich unbedingt nochmal besuchen. Im Museumsshop habe ich dem Liebsten noch ein Metallpuzzle gekauft, mit dem er unsere Freunde zu Silvester demütigen kann, wie er es halt immer so tut (wir werden trotzdem seit Jahren eingeladen) und stand einen kleinen Moment länger als nötig vor einem smartphonegesteuerten BB8 … aber nein. Ich habe dann mein Vorhaben, wenigstens einmal kurz die Füße in die Isar zu halten, umgesetzt, bin mit meinem Rucksack aber nicht mehr allzu viel herumgelaufen.

Bevor ich mich auf den Weg zum Flughafen machen musste, blieb mir noch Zeit, in einem der zahlreichen Hinterhofbiergärten einzukehren. Und dann ging es wieder Richtung Heimat. München, ich komme wieder.

*Die Antwort ist: 50% Hört sich erstmal viel zu viel an. Ein Erwachsener besteht jedoch zu 70% aus Wasser, und woraus besteht Wasser? Eben. Dann noch die ganzen Moleküle, die ich in der 11. Klasse schon nicht auseinander halten konnte, in denen aber reichlich Os (neben Hs, Cs und Ns) verbaut waren … also das könnte schon in etwa hinkommen ;o)

Ein Gedanke zu „München

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