Weekly Journal – Woche 19

Es gibt ja kaum traurigeres als Blogs, deren letzter Eintrag schon mehr als sechs Monate zurückliegt. Das ist das Eine. Das andere ist: „Hm, ich hab ein Paar Socken fertig – das ist jetzt aber nicht wirklich einen Blogpost wert.“ Der Kompromiss ist eine Art wöchentlicher Check-In, ein Sammeleintrag für alles, was so war. In meinem Offline-Tagebuch mache ich das schon seit einiger Zeit und bin immer erstaunt, was am Ende der Woche zusammenkommt – dem Gefühl, nichts geschafft zu haben zum Trotz.

Stricken, Spinnen & Häkeln
Ich stricke aktuell an einem Dotted Rays von Westknits aus diversen Sockengarnresten und Tauschsträngen. Ich schwelge in Farben, es macht mir unheimlich viel Spaß. Dotted Rays ist ein halbkreisförmiges Tuch mit Streifen, die irgendwie so schneckenhausmäßig wachsen, konzentrisch mit leichter Unwucht, die Anleitung arbeitet mit Zunahmen und verkürzten Reihen und ist zwar komplett ausgeschrieben, aber total intuitiv, wenn man erstmal drin ist.
Das Tuch war als Mitnahmeprojekt gedacht, weil die Strickjacke, der Water & Stone Cardigan von Veera Välimäki, die ich zur Zeit außerdem auf den Nadeln habe, zu unhandlich geworden ist. Inzwischen ist auch der Dotted Rays zu unhandlich zum Mitnehmen. Das macht aber nichts, weil ich gerade gar nicht so viel unterwegs bin. Noch zwei Keile (à ca. 200 m Garnverbrauch) und das Tuch ist fertig.

Nähen
Eigentlich hatte ich diese Woche vor, eine Sally von pattydoo zu nähen. Das ist ein Jersey-Wickelkleid, ich habe alles dafür da, Zeit hätte ich auch gehabt, aber über das Zusammenkleben der Schnittmusterausdrucke für den Ärmel bin ich nicht hinausgekommen. Wenn ich so zögerlich mit einem Projekt bin, hat das meistens was zu bedeuten. Ich glaube, ich hab einerseits Angst, es nicht hinzukriegen, befürchte, dass der Hauptstoff nicht reicht, dass ich die falsche Größe ausgesucht habe und denke drüber nach, ob ich nicht einfach auf Nummer sicher gehen soll und eine Toni vom Milchmonster mit kurzen Ärmeln nähen soll. Ich hab schon drei Tonis, die ich sehr gern trage, ich könnte noch eine Variante mit kurzen Ärmeln gebrauchen.

Sport
Ich hab mir Mitte April beim Mensa Jahrestreffen in Aachen eine besonders aasige Form der Kongress-Seuche aufgesackt und bin diese Woche erst wieder ins Training eingestiegen. Ganz gesund bin ich immer noch nicht, ich habe noch eindrucksvolle Hustenanfälle, spätestens abends immer Halsschmerzen und muss mir jeden Abend mit so einem Asthma-Püster die Bronchien pudern. Ich war nur einmal laufen und auch nur einmal beim Cheerleading. Dafür war ich darten – es war der vorletzte Spieltag der Landesliga. Ich hab nach einer langen Pause allerdings nicht viel gerissen, außer einem unorthodoxen Checkout bei 60 Rest (Doppel-18 für Doppel-12 und ja, natürlich sollte der erste auf die einfache 20 für Tops, was das ganze Drama recht anschaulich illustriert).

Buch, Bild & Ton
Ich habe Transition von Luke Kennard fertiggelesen. Eine Dystopie um den Selbstoptimierungswahn, die Hauptfiguren ein Paar um die 30, Genevieve und Karl, überschuldet und überqualifiziert, die, als sie nicht weiter wissen, die Chance bekommen, an dem Programm Transition teilzunehmen. „Verbessere dich selbst und du verbesserst die Welt.“ Sie bekommen Mentoren, bei denen sie wohnen müssen und deren Anweisungen sie befolgen müssen. Und während Genevieve sich begeistert in das Coaching stürzt und an sich arbeitet, ist Karl eher skeptisch und versucht herauszufinden, wer wirklich hinter dieser Organisation steckt. Ich fand es insgesamt gut, unterhaltsam geschrieben und voller literarischer Anspielungen, gute Dialoge, der Plot okay. Nichts, was länger hängen bleibt, aber auch nicht schlecht. Es müssen nicht immer Superlative sein.

Dies & Das
Auf dem Balkon sprießen die Wildblumen, die ich ausgesät habe. Ich bin vor kurzem über zwei Sendungen über Wildbienen im Bayern2 Radiowissen-Podcast zum Blog Wilder Meter gekommen und war total fasziniert. Abgesehen davon, dass ich es sehr wichtig finde, dem Insektensterben Einhalt zu gebieten (auch, wenn mein Balkon da nur einen sehr, sehr kleinen Teil beitragen kann), finde ich Insekten spannend zu beobachten – allen voran Hummeln, die rückwärts aus Fingerhutblüten ausparken. Ich hoffe auf viel Insektenbesuch auf unserem Balkon und habe den Plan, die Spiegelreflex mit der Makrolinse wieder rauszuholen. Ich finde von je her selber säen viel spannender als Jungpflanzen in Töpfen zu kaufen. Die Vögel finden das natürlich auch spannend. Nachdem ich zwei mal, nachdem ich fünf Sonnenblumenkerne in einem Topf gesät habe, am Folgetag fünf amselkopfförmige Krater und Sonnenblumenkernspelzen in der Blumenerde vorgefunden habe, ziehe ich die Sonnenblumen auf der Fensterbank vor und pflanze sie erst aus, wenn sie so groß sind, dass die Amseln sich nicht mehr für sie interessieren.

Pläne für nächste Woche

  • Das Sally-Kleid nähen
  • vorher die beiden dunkelblauen T-Shirts mit neuem Ausschnitt versehen (es ist grad farblich passendes Garn in der Overlock)
  • den Dotted Rays fertigstellen
  • zweimal Laufen, wenn das Knie einverstanden ist

Ein Gedanke zu „Weekly Journal – Woche 19

  1. Ich musste eine bisschen lachen, als ich gelesen habe, dass du meinst, ein fertiges Paar Socken sei keinen Blogeintrag wert.
    Ich schreibe jeden Tag mein aufregendes Leben ins Netz zur Zeit und da steht auch nur „abgewaschen, gegessen, Sport gemacht, gearbeitet, wieder nichts Wichtiges geschafft“ in verschiedenen Varianten.

    Auf jeden Fall schön, hier neue Posts zu lesen.

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