Veganer Freitag

„Wie viel gönne ich mir auf Kosten anderer“ ist die Frage, der Karen Duve in ihrem Buch Anständig essen nachgeht. Ich habe es in kurzer Zeit geradezu verschlungen, mit ihren mit sorgfältig recherchierten Sachinformationen unterfütterten und trockenem Humor gespickten Selbstversuchen rennt sie bei mir offene Türen ein. Ich war einige Jahre Vegetarierin, was mir nicht leicht gefallen ist, ich bin es jetzt nicht mehr. Und ich hadere mit dieser Entscheidung. Jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke, was für mich richtig ist, komme ich zu dem Ergebnis: vegetarisch und Bio, weniger Discounterbio, weil die Minimalstandards mir nicht ausreichend erscheinen. Eigentlich wäre vegan noch besser, aber das ist mir zu hart. Nie wieder Käse. Nie wieder Jans köstliches Sonntagsrührei …

Aber ein Tag in der Woche, das ist machbar, habe ich mir letzte Woche gedacht und für mich den veganen Freitag eingeführt. Am meisten Angst hatte ich vor dem veganen Milchkaffee. Mein Morgenkaffee besteht aus Espresso, der bis zur Unkenntlichkeit mit aufgeschäumter Milch versetzt ist. Ich habe am Donnerstag einen Probelauf mit Alnatura Soja-Drink gemacht, und das Ergebnis war mäßig befriedigend. Sowohl was den Geschmack, als auch was die Konsistenz angeht. Zu wässrig. Ich bekam dann von mehreren Seiten den Tipp, es mit Alpro Soja Vanille zu versuchen, und das ist tatsächlich so lecker, dass es inzwischen auch an anderen Tagen ins Glas kommt.

Ansonsten ist bedarf mein Frühstück keiner allzu großen Umstellung: Brötchen und Marmelade sind ohnehin fast immer vegan, die Butter oder den Frischkäse ersetze ich durch Margarine oder – gestern entdeckt – veganen Frischkäse auf Sojabasis. Ich habe über veganen Scheibenkäse bisher wenig gutes gehört, aber der Frischkäse ist eine echte Alternative, gegen die dicke Schicht Marmelade drauf kommt er geschmacklich ohnehin nicht an, aber auch pur ist er absolut essbar. Nur etwa doppelt so teuer wie der aus Milch. 1,99 für 100g. Ist das jetzt zu teuer oder ist der andere zu billig?

Auch bei den anderen Mahlzeiten sind die Änderungen marginal. Couscous ohne Butter. Die Tomaten-Gemüse-Pfanne mit Kichererbsen ohne den optional im Rezept vorgeschlagenen Schafskäse. Süßkram ist schwierig, mit sehr dunkler Schokolade hab ich’s nämlich nicht so, und auch das gelatinefreie Gummikonfekt enthält als Trennmittel meist Bienenwachs.

Sogar einen veganen Rotwein habe ich gefunden, den Moonlight Organics Shiraz von Stellar Organics. Vegan, fair gehandelt, Bio und obendrein auch noch richtig lecker. Gibt es in Hamburg bei Alnatura und einigen Budnis, kostet pro Flasche ca. 5,50. Veganer Wein? Ja, für mich laufen Trauben auch unter Obst. Aber Wein wird oft mit Hilfe von Gelatine, Hühnereiklar oder sogar der Schwimmblase von Fischen geklärt. Bei veganen Weinen geschieht das mit Bentonit, einer Art Tongestein.

Wenn ich so drüber nachdenke, finde ich Fisch im Wein an keinem Wochentag eine schöne Vorstellung. Wein im Fisch wiederum schon. Da wären wir dann bei einem der Gründe, warum mir Vegetarier sein so schwer fällt. Und je mehr ich lese, desto größer ist mein schlechtes Gewissen, dass ich mit den Bandnudeln mit Lachs in Weißweinsahne mit schlucken muss.

Ein Gedanke zu „Veganer Freitag

  1. Deine Gedanken kann ich so gut nachvollziehen, ich stelle mir ähnliche, immer wieder.. Vegan ist mir bislang zu heftig. Nie wieder Schafskäse? Butter? Sonstiger Käse? Schwierig. Ein Tag in der Woche scheint mir allerdings ein guter Einstieg. Vielleicht sollte ich mir das dann doch mal überlegen, das sollte eigentlich zu schaffen sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.