Weekly Journal – Woche 39

Der Herbst hält langsam Einzug, und ich weiß nicht, ob es daran liegt, aber ich hab eine unheimlich müde Woche hinter mir. Ich komme morgens kaum aus dem Bett, und ohne Wecker würde ich bis in die Puppen schlafen. Was ich am Samstag zumindest auch getan habe, ich glaube, ich bin erst um halb elf aufgestanden, das ist fast drei Stunden später als normal. Und wirklich wach hab ich mich trotzdem nicht gefühlt. Den Freitag habe ich sehr spontan (die Anfrage kam Donnerstag am späten Nachmittag) komplett beim Kunden verbracht. Besser kann es doch gar nicht losgehen mit der Freelancerei.

Stricken, Spinnen & Häkeln
Vom Ende des zweiten Ärmels des Water & Stone trennen mich noch 41 Reihen und das Bündchen, ich denke mal, spätestens morgen Abend ist der fertig.
Ich habe es nur zweimal geschafft, mich mittags ans Spinnrad zu setzen, vom zweiten Kammzug sind jetzt noch 47 g übrig. Ich würde mal schätzen, das macht knappe fünf Stunden Spinnzeit. Plus Zwirnen. Warum ich das auszurechnen versuche? Weil ich überlege, etwas Bescheuertes zu tun – inspiriert von Susanne, der Königin der Wahnsinnsprojekte – und im Rahmen des NaKniSweMo eine Cria zu stricken. Cria ist die Strickjacke von Ysolda Teague, für die dieses Garn ja werden soll, und die würde ich dann im November, dem „National Knit a Sweater Month“ stricken. Klingt irre? Ich weiß. Aber ich brauche wirklich dringend Strickjacken. Und meine innig geliebte Topstykke-Tunika hat jetzt ein Loch vorne oben, das ist nicht unsichtbar werde reparieren können, und ohnehin einen sich auflösenden Saum. Das gute Stück ist sieben Jahre alt und ich hab es wirklich viel getragen. Und das sieht man ihm leider an.

Sport
Am Montag bin ich zum SC Norderstedt gefahren, um mir das Training der frisch gegründeten Dartabteilung anzuschauen – und stand vor verschlossenen Türen. Der Gastwirt des Vereinsheims wusste von nichts, ließ sich aber unsere Telefonnummern geben. Am nächsten Tag meldete sich jemand. Es war kurzfristig jemand krank geworden. Kann passieren, ist aber am ersten Trainingstag, nachdem man eine Seite im Abendblatt hatte, ziemlich unglücklich. Am Freitag hat es dann wohl stattgefunden, aber das ist mir erst wieder eingefallen, als ich um kurz nach sechs auf dem Heimweg vom Kunden in der Bahn saß, ohne Pfeile, aber mit Hunger, und erstmal heim wollte. Also nächste Woche.

Am Dienstag habe ich mir wie geplant ein Gymondo-Workout ausgesucht: 20 Minuten Bauch-Beine-Po. Es war sehr anstrengend, meinem Empfinden nach mehr als „mittel“, und es hat dazu geführt, dass ich mich am Mittwoch und Donnerstag vor Muskelkater nur humpelnd fortbewegen konnte. Ich finde es durchaus angenehm, nach dem Sport zu spüren, dass ich was getan habe, aber das war eindeutig zu viel. Die Trainerin hat mir auch nicht gefallen, ebensowenig die sogenannte „Challenge“, bei der man von einer bestimmten Übung (in diesem Fall Kniebeugen) in sechzig Sekunden so viele wie möglich macht. Die saubere Ausführung bleibt da unweigerlich auf der Strecke. Also nächste Woche nochmal ein anderes versuchen. Laufen war ich am Mittwoch also auch nicht, ich konnte ja kaum gehen. Am Freitag hätte ich laufen können, nur war ich da den ganzen Tag beim Kunden und abends platt.

Am „Volkslauf durch das schöne Alstertal“ hab ich am Sonntag auch nicht teilgenommen, denn das Oktoberfest ging am Samstag doch länger als geplant, und ich hatte noch zu viel auf dem Tisch, um zum Laufen irgendwo hinzufahren. Dann lieber die Liste abarbeiten, und wenn dann noch Zeit ist, eine Runde um den Stadtparksee drehen. Was ich auch nicht getan habe, ich habe den Tag am Rechner verbracht und meine Buchhaltung eingerichtet, der Krankenkasse geschrieben und diversen Firmen, die sich vielleicht für meinen neuen Nachnamen interessieren, und außerdem an einem Flyer für ein Charity-Projekt gearbeitet. Während auf der Wiese vor meinem Arbeitszimmerfenster ein Kindergeburtstag stattfand, und zwar inklusive Musikbeschallung. Anscheinend nur eine CD, die aber in der Endlosschleife. Fazit: den Text von „Auf uns’rer Wiese gehet was“ habe ich noch erstaunlich lückenlos drauf, und es ist hohe Zeit für einen Laptop.

Was ich geschafft habe: jeden Morgen für sechs Sonnengrüße die Yogamatte auszurollen. Und ich habe das Gefühl, dass mir das sehr gut tut. Ich hab in letzter Zeit ständig Schmerzen im unteren Rücken, die sich bis über die Hüfte ziehen, die sind nicht weg, aber viel weniger geworden. Und das mit nichtmal zehn Minuten Aufwand am Tag, damit mache ich nächste Woche auf jeden Fall weiter. Was mich da bei der Stange gehalten hat, war tatsächlich ein Satz aus einer Yogawerbung, die mir auf Instagram gelegentlich gezeigt wird: „Because nobody ever said ‚I wish I had skipped yoga‘“ oder so, sinngemäß, keine Ahnung, für welchen Anbieter das ist.

Kulinarisches
Da ich diese Woche nicht nur dauernd müde war, sondern auch ständig gefroren habe, habe ich mal Goldene Milch probiert. Das ist ein ayurvedisches Wundergetränk mit dem Superfood Kurkuma, das mir immer mal wieder durch diverse Feeds trudelt, seit die zuständigen Bots spitzgekriegt haben, dass ich mich ein bisschen für Yoga und Gesundheitsthemen interessiere. Dem Getränk werden jede Menge gute Effekte zugeschrieben (feuchte Nase, glänzendes Fell), unter anderem auch, dass es „so richtig schön durchwärmt“, und da ich beim Biogemüsestand auf dem Markt frische Kurkumaknollen ergattert habe, habe ich es mal probiert. Es kursieren mehrere Rezepte im Netz, ich habe 300 ml ungesüßte Mandelmilch, ein 2 cm langes Stück Ingwer, ein Stück Kurkuma (etwa 3 cm), je einen Viertelteelöffel gemahlenen schwarzen Pfeffer und Zimt und einen halben Teelöffel Kokosöl im Mixer kräftig durchgemixt (die Wurzeln vorher in etwas kleinere Stücke geschnitten, man muss es der Maschine ja nicht unnötig schwer machen), das Ganze dann erhitzt (hierzu gibt es Diskussionen „bloß nicht, zerstört alle Enzyme“ vs. „Quatsch, Ingwertee erhitzt man ja auch“) und zwei Minuten zart köcheln lassen, es durch ein Sieb in ein Glas gegeben und mit dem Milchschäumer aufgeschäumt – für die Optik und um einen Teelöffel Agavendicksaft zu verteilen. Das Ergebnis schmeckt … interessant, aber nicht schlecht. Das ist jedenfalls meine Meinung, der Mann hat einen Schluck probiert und sehr unglücklich das Gesicht verzogen. Es hat durch den Ingwer eine ordentliche Schärfe, die man mögen muss. Das Kurkuma-Aroma kann ich nicht beschreiben, das getrocknete Pulver, das wohl in den meisten Gewürzschränken heimisch ist, riecht ganz anders. Warm war mir danach jedenfalls.

unterwegs
In Norderstedt war an diesem Wochenende Oktoberfest. Das findet in der Tribühne statt, dem normalerweise eher gesitteten Veranstaltungshaus der Stadt im Norderstedter Rathaus. Es gab Livemusik (dieses und letztes Jahr „Die Wilderer“ aus Bayern), Bier, bayrisches Essen und alberne Spielchen. Und natürlich Gelegenheit, die Tracht aus dem Schrank zu holen. Ich besitze ja inzwischen zwei Dirndl und freue mich über jede Gelegenheit, sie zu tragen. Spaßig war’s. Und spät.

Pläne für nächste Woche
Am Montag und Dienstag bin ich vom Kunden gebucht, am Freitag eventuell auch. Am Mittwoch ist der Köhlbrandbrückenlauf, zu dem ich angemeldet bin. Am Dienstag habe ich einen Stammtisch und eine Einladung zum Ex-Raid (apropos Pokémon Go, falls jemand mein Trainerfreund werden möchte: mein Code ist 8988 3058 3465), am Samstag feiern wir unsere Hochzeit nach, da muss ich ein bisschen Küchenzeit einplanen – auch so eine Sache, ich bin verunsichert bis genervt, weil von den zwölf Eingeladenen überhaupt nur knapp ein Drittel auf die Einladung reagiert hat. Wie sollen wir denn da planen?

  • Die Sache mit den Sonnengrüßen am Morgen möchte ich beibehalten
  • Am Water & Stone weiterstricken
  • Mittwoch, Donnerstag und am Wochenende mittags eine halbe Stunde spinnen
  • Montag Abend einen neuen Versuch mit dem Darttraining beim SCN unternehmen

Weekly Journal – Woche 38

Diese Woche war die letzte Urlaubswoche und als solche geprägt von einer gewissen Strukturlosigkeit. Ich habe eine Menge geschafft, allerdings kaum etwas von dem, was ich mir vorgenommen hatte. Es war ein Brief von der Arbeitsagentur in der Post, der mich ziemlich aufgeregt hat (es fehlen noch Unterlagen für meinen Antrag auf Gründungszuschuss), dafür keiner vom Finanzamt (der eines der von der Agentur geforderten Dokumente enthalten hätte). Dummerweise ist der Brief von der Agentur vom 31.8., dem Freitag vor dem Sonntag, an dem wir in den Urlaub gefahren sind, und die Frist fürs Nachreichen der Dokumente war diesen Donnerstag, an die Post bin ich aber erst am Mittwoch gekommen, weil der Nachbar, der den Briefkasten gehütet hatte, selbst nicht da war, und versucht mal, am Mittwoch Nachmittag jemanden beim Finanzamt telefonisch zu erreichen. Eben. Ich habe jetzt meinen Steuerberater in die Spur geschickt, weil ich dem mehr Überzeugungskraft zutraue als mir, und der hat sich auch redlich gewundert, wieso die für die Bearbeitung eines Fragebogens zur steuerlichen Erfassung drei Wochen brauchen. Er hielt meine Vermutung allerdings nicht für abwegig, dass das damit zusammenhängen könnte, dass ich mich nachnamensmäßig von Z nach B geheiratet habe und damit der Sachbearbeiter am anderen Ende des Flurs für mich zuständig ist. Das ist nämlich so, das hab ich, als ich meinen Z-Sachbearbeiter lange vor meinem Urlaub tatsächlich mal ans Telefon bekommen habe, erfahren, weswegen ich mit ihm vereinbart habe, dass ich den neuen Namen auf jeden Fall mit einem „Obacht!“ versehen mit auf den Fragebogen schreibe. Wenigstens habe ich das zweite fehlende Dokument beschaffen können. Es fehlte eine Anlage zur Tragfähigkeitsbescheinigung der fachkundigen Stelle „siehe Punkt C.8 der Stellungnahme“. Da ich die Stellungnahme aber abgegeben und kein fotografisches Gedächtnis habe, hatte ich keine Ahnung, was dort bei C.8 steht. Aber das ließ sich durch einen Besuch bei der Agentur (der Fußweg ist kürzer als die durchschnittliche Wartezeit am Telefon) („Das wissen die fachkundigen Stellen eigentlich, dass wir die Anlage brauchen.“) und ein Telefonat mit der fachkundigen Stelle („Das wollen nicht alle Agenturen, deswegen schicken wir es nicht standardmäßig mit, kann ich Ihnen das per Mail schicken?“ Oh, aber ja!) klären. Behördenpingpong schlaucht. Ich bange um meinen Gründungszuschuss.

Stricken, Spinnen & Häkeln
Ich habe von Montag bis Samstag nicht jeweils, sondern insgesamt zwanzig Minuten gesponnen und in etwa genauso lange am Ärmel des Water & Stone Cardigan gestrickt. Am Sonntag – heute – habe ich daher stricken auf meiner Prioritätenliste ganz nach oben geschoben, das passte gut: es gab eine neue Episode des Handgemacht-Podcast von Susanne, darin den Hinweis auf den nagelneuen Handarbeitspodcast Wollkanal, und das Wetter lud auch nicht gerade zu Outdoor-Aktivitäten ein. Der zweite Ärmel ist diese Woche um lediglich 12 cm gewachsen – da ist eindeutig noch Luft nach oben.

Sport
Ich war genau einmal laufen. Krafttraining hab ich gar nicht gemacht. Ich glaube, das liegt an der fehlenden Struktur und der wenig konkreten Zielsetzung: „3-4 mal“ ist zu vage, besser wäre es, Termine festzulegen.
Am Freitag waren wir in der Therme und haben vor der ganzen Entspannerei ganz vorbildlich ein paar Bahnen im Sportbecken absolviert. Schwimmen ist auch so etwas, was ich aus Vernunftgründen mache – Spaß hab ich da nicht dran.
Gestern war ich nochmal in Sachen Cheerleading unterwegs und habe mich beim letzten Heimspiel der Mustangs mit einer Kollegin zusammen um den Kuchenstand gekümmert. Hab kurz mit der Trainerin geschnackt und beschlossen, noch einen Versuch zu wagen. Nach dem German Bowl dann, vorher macht wohl nicht so viel Sinn.

Kulinarisches
Die letzten Kochthemen der Brigitte haben mich nicht so vom Hocker gezogen, aber bei „Portugal“ in der vorletzten Ausgabe war ich sofort an Bord. Bei uns war es auch am Anfang der Woche noch hochsommerlich, perfekt für einen kulinarischen Kurztrip ans Mittelmeer: Nudeln. Sardinen und Kapern. Karamellisierte Zitronenschale und Zwiebelpüree. Köstlich. Warnhinweis: die Zwiebeln werden roh püriert – Tränchengarantie! Da das Rezept aus dem vorletzten Heft ist, ist es auch schon online: Nudeln mit Sardinen und Kapern
Zum Ende der Woche wurde es dann herbstlicher, um nicht zu sagen richtig ungemütlich. Ich kann auch im Hochsommer Sauerkraut essen, eigentlich immer, aber je kühler es draußen ist, umso leckerer finde ich es. Eines meiner liebsten Kochbücher ist das French Basics von GU (ich mag die Basic-Reihe überhaupt sehr) und eines der Rezepte daraus, das ich schon öfter gekocht habe, ist mit einer Masse aus weißem Fischfilet, Kräutern und Sahne gefülltes Lachsfilet auf Champagner-Sauerkraut mit Birnen. Das ist schon ein etwas aufwändigeres Rezept, aber eben auch verdammt gut. Und man kann es (mit TK-Fischfilet) recht gut aus dem Vorrat machen. Das Kraut ist auch ohne den Fisch drauf gut. Statt Champagner oder Cremant tut es meiner Meinung nach auch Sekt. Das Rezept gibt es ebenfalls online auf der GU-Webseite Küchengötter: Gefüllter Lachs auf Sauerkraut.

Pläne für nächste Woche
Hier hat die Erfahrung der letzten Woche gezeigt, dass ich etwas konkreter benennen sollte, was ich vorhabe. Ich habe noch immer mit Vorbereitungen für meine Gründung zu tun, und das Doofe ist auch, dass man gerade in der Anfangsphase am Ende eines Arbeitstages wohl nie das Gefühl hat, wirklich fertig zu sein. Die To-Do-Liste scheint unendlich. Hat man dann, wie ich, einen ausgeprägten Hang zum schlechten Gewissen und ist in der Vergangenheit oft als faul beschimpft worden, fällt es sehr schwer, zu entscheiden, dass es dann für heute mal reicht, und sich seinen Hobbies zuzuwenden, ohne dass der innere Antreiber versucht, einem das madig zu machen. Vermutlich ist auch das wie so vieles andere schlicht Übungssache. Folgende Übungen hab ich mir für nächste Woche vorgenommen:

  • den zweiten Ärmel des Water & Stone fertigstricken
  • jeden Tag mittags eine halbe Stunde spinnen
  • Am Montag Abend mal beim Training der neu gegründeten Dartabteilung des SC Norderstedt vorbeischauen (und wenn’s mir gefallen hat am Freitag auch)
  • morgens zehn Minuten auf die Yogamatte für Sonnengrüße und ein paar Asanas für Rücken, Hüfte und vor allem die Knie – wenn ich, wenn ich schon mal dabei bin, Lust auf und Zeit für mehr habe: go for it
  • am Mittwoch und Sonntag laufen (Sonntag ist der „28. Volkslauf durch das schöne Alstertal“, ich bin für 4 km angemeldet)
  • für Dienstag und Donnerstag nehme ich mir Krafttraining vor, jeweils ein 20-30-minütiges Workout aus dem Gymondo-Programm. Videos funktionieren für mich einfach am besten.
  • Am Samstag geht’s zum 12. Norderstedter Oktoberfest (ich werde am Sonntag also vermutlich keine Bestzeit laufen. Gut, dass es mir darum nicht geht.)

Weekly Journal – Woche 35 bis 37

Dann wollen wir mal versuchen, die letzten drei Wochen aufzuholen. Ich will nicht sagen, dass gar nichts passiert ist, ganz im Gegenteil. Aber da weder die Ereignisdichte sonderlich hoch noch die Aktivitäten an sich übertrieben vielfältig waren, kriegen wir das wohl in unter 1.500 Wörtern rekapituliert.

Stricken, Spinnen & Häkeln
Der Fading Point ist fertig geworden, natürlich auf den allerletzten Drücker, wie das eben so ist. Ich habe ihn wie geplant (zu meinem Hochzeitskleid, kreisch, mehr dazu weiter unten) tragen können und mag ihn sehr. Er ist sehr groß, sehr warm und sehr weich.
Ich habe also die Arbeit am Water & Stone Cardigan wieder auf- und mir vorgenommen, monogam daran zu stricken, bis er fertig ist. Der erste Ärmel ist fertig, ich bin jetzt beim zweiten. Danach erst geht es mit dem Körper weiter – ich ziehe die Ärmel vor, weil ich nicht weiß, wie weit ich mit dem Garn komme: ich möchte weder Reste übrig behalten, noch dass mir beim zweiten Ärmel kurz nach dem Ellenbogen das Garn ausgeht.
Gesponnen habe ich die letzten drei Wochen tatsächlich gar nicht, alle Handarbeitszeit habe ich in den Fading Point gesteckt. Gute zwei Monate für ein Tuch, das ich eigentlich nicht brauche. Hm. Das war doch eigentlich genau das, was ich dieses Jahr nicht mehr machen wollte.

Nähen
Der Mann hatte Geburtstag und ich habe ihm ein Hoodie genäht. Das Vorderteil ziert der Rostocker Greif. Mein erster Versuch mit Bleiche und einer Schablone aus Freezer Paper, ich wollte das schon ewig mal ausprobieren.
Ich hab die Bleiche erst an einem Stoffrest getestet, um zu schauen, wie lange es dauert, bis überhaupt irgendwas zu sehen ist, wie viel ich brauche und welche Farbe dabei herauskommt. Die Schablone habe ich auf das Freezer Paper gedruckt und ausgeschnitten und aufgebügelt. Ich habe handelsüblichen Chlorreiniger unverdünnt in einen Pumpzerstäuber gefüllt und aus gut 30 Zentimetern Abstand vorsichtig gesprüht, vorher natürlich alles, was schwarz bleiben soll, sorgfältig abgeklebt. Und nicht geatmet. Dann hab ich es trocknen lassen, die Schablone abgezogen und mir selbst verblüfft auf die Schulter geklopft. Ich hatte genug Stoff bestellt, um im Falle einer Vollkatastrophe mindestens ein weiteres Vorderteil zuschneiden zu können, aber das war gar nicht nötig.
Der Schnitt ist Luke von Pattydoo. Es war mein zweiter Pattydoo-Schnitt und ich bin ehrlich gesagt auch diesmal nicht restlos überzeugt. Pattydoo-Anleitungen sind in der Regel Videoanleitungen. Im Schnittmuster-PDF gibt es nur Stichworte und den Verweis, wo der Arbeitsschritt im Video gezeigt wird. Wenn es, wie in meinem Fall, mehrere Variationen des Schnitts gibt, ist es blöd, wenn im Video ausschließlich die andere gezeigt wird und nichtmal auf Alternativen verwiesen wird – etwas wie „wenn ihr euch für die Variante mit Tasche entschieden habt, wird die jetzt aufgenäht“ wäre schon nett gewesen. Ich finde Videos, die einzelne Arbeitsschritte zeigen, als Ergänzung toll, und die Videos von Pattydoo sind auch wirklich gut gemacht. Zum beim Arbeiten daneben legen und immer mal wieder zurückblättern habe ich jedoch lieber eine (gern auch bebilderte) schriftliche Anleitung. Ich sitze ja an der Nähmaschine, nicht am Rechner, und habe höchstens das Smartphone dabei. Und auf dem kleinen Display dann zurückzuwischen (es gibt keine Kapitelmarken), um einen Arbeitsschritt wiederzufinden und mir nochmal zeigen zu lassen, finde ich unpraktisch. Das ist auf hohem Niveau gejammert, das ist mir schon klar. Und die Passform – darauf kommt es ja letztlich an – war bei beiden Modellen top. Der Mann zieht das Teil gar nicht mehr aus.

Sport
Ich war zu zwei Läufen gemeldet, dem Hamburg Airport Abendlauf und dem Sanddornlauf auf Langeoog, und ich habe auch teilgenommen. Der Name Hamburg Airport Abendlauf ist ein bisschen irreführend, gelaufen wurde nicht am Flughafen, sondern auf meiner Trainingsstrecke im Norderstedter Stadtpark, je nach Lust, Fitness und Ehrgeiz konnte man eine bis vier Runden à 2,3 km um den Stadtparksee drehen. Ich hatte aus Sorge um mein Knie nicht trainiert und ein wenig gehadert, habe mich aber letzlich entschlossen, hinzugehen und eine Runde zu versuchen, damit die Startgebühr nicht verfällt. Geworden sind es dann zwei Runden, das Knie hatte nichts zu beanstanden, bei meiner Kondition gibt‘s noch Luft nach oben. Insgesamt waren etwas mehr als 500 Menschen gemeldet, alle Altersklassen, die Jüngsten Jahrgang 2011, die ältesten in der Altersklasse W bzw. M75. Wenn man mal von drei Blitzbirnen absieht, die uns aus dem Weg gerempelt haben, weil sie meinten, dass ihnen die „Ideallinie“ zusteht, weil sie ja viel schneller unterwegs sind, war es eine schöne Veranstaltung.
Am Sanddornlauf auf Langeoog wollte ich schon seit zwei Jahren teilnehmen und dieses Jahr hat es endlich geklappt. Die Strecke ist anspruchsvoll, ca. 700 der 5.000 m sind wir am Strand gelaufen, im Sand und mit ordentlich Gegenwind, und als ob das noch nicht genug wäre, gab es mehrere recht steile Anstiege beziehungsweise Gefälle in den Dünen. Dafür geht meine Zeit mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 7:45 min pro Kilometer schon in Ordnung. Die Kulisse ist natürlich ein Traum, und überall sind Urlauber, die einen anfeuern. Nächstes Jahr findet der Sanddornlauf am 21. September statt, das ist eigentlich schon außerhalb unserer üblichen Urlaubszeit, mal gucken, ob ich es doch irgendwie hinkriege.
Wenn mir das Knie nicht dazwischengekommen wäre, hätte ich letztes Wochenende wahrscheinlich zum ersten Mal an der Sideline gestanden. Ich hab die Fotos vom Auftritt gesehen, die beiden Neuen, die mit mir gestartet sind, waren diesmal das erste Mal dabei und scheinen eine Menge Spaß gehabt zu haben. Irgendwie mag ich das Thema noch nicht ad acta legen. Tanzen ist für mich einfach der Sport mit dem höchsten Spaß- und Glücksfaktor. Ich würde gern einen neuen Versuch starten, wenn die Sporteinlagen da sind. Ich schnacke vorher nochmal mit den Trainerinnen. Ich trage momentan Einlagen in meinen normalen Straßenschuhen und habe den Eindruck, dass sie helfen. Es bleiben natürlich die seitlichen und drehenden Bewegungen. Ich habe mich durch mehrere Webseiten gelesen und wieder Hoffnung geschöpft: eine gut trainierte Stützmuskulatur kann einiges ausgleichen. Und klar, je weniger Gewicht man mit sich herumträgt, desto besser für die Gelenke. Und ich hab da ein paar Kilo, die ich nicht dringend brauche. Also gezieltes Training und abspecken – nichts leichter als das. Ähm.

Buch, Bild & Ton
Mit Dystopien kriegt man mich immer – gleich zwei Hörbücher dieses Genres habe ich in den letzten Wochen gehört. Zuerst „Die Optimierer“ von Theresa Hannig: in der nahen Zukunft gibt es in der Bundesrepublik Europa ein bedingungsloses Grundeinkommen und eine Agentur für Lebensführung, die dafür Sorge trägt, dass jeder eine Arbeit zugeordnet bekommt, die seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen entspricht. Oder eben auch keine, das ist dann die sogenannte Kontemplation, das ist okay, das System trägt das. Klingt ja erstmal sehr schön, ist aber mit einem hohen Maß an Kontrolle und Überwachung verbunden. Es regiert eine Optimalwohlökonomie, die Kostenfaktoren wegrationalisiert. Wir begleiten den Lebensberater Samson Freitag, einen gewissenhaften Bürger, in dessen Leben alles nach Plan verläuft – und dann nimmt sich eine von ihm beratene Klientin das Leben und seines gerät aus den Fugen. Hat mir gut gefallen. Bonuspunkte, weil es in München spielt.
Das zweite war „Vox“ von Christina Dalcher. Ich war etwas skeptisch. Das Buch wird ziemlich gehyped, ich habe den Klappentext gelesen und eine zwar unterhaltsame, aber im Prinzip dünne Handlung erwartet – und wurde überrascht. In einer nicht allzu fernen Zukunft dürfen Frauen und Mädchen nicht mehr als 100 Wörter am Tag sprechen. Dafür, dass sie dieses Limit einhalten, sorgen die Wortzähler, die sie am Handgelenk tragen müssen und die bei Nichtbefolgung Stromströße aussenden. Das klingt so knapp zusammengefasst abwegig, die Autorin bekommt es aber gut hin, dass es sich über weite Strecken realistisch anfühlt, und das macht für mich den Grusel der Geschichte aus. Und Frau Sawatzki liest wieder mal sehr gut.

Dies & Das
Ich habe geheiratet. Darüber unter dieser Überschrift zu berichten, fühlt sich auch irgendwie schräg an, so unter „ferner liefen“, aber in die anderen Kategorien passt es ja noch weniger. Höchstens noch in „unterwegs“, denn wir haben uns auf „unserer“ Insel Langeoog im Seemannshus trauen lassen. Wir hatten einen schönen Tag im allerkleinsten Kreis. Ein paar Tage vorher haben wir uns in einem Trauringkurs in der Hofgoldschmiede gegenseitig unsere Ringe geschmiedet, und das war wirklich ein toller Tag, wir haben viel gelernt und gelacht und haben jetzt wunderschöne Ringe. Ich war ein wenig bange, weil meine Kenntnisse in Metallverarbeitung über silvesterliches Bleigießen nicht hinausgehen, aber mit guter Anleitung sind wir zu einem sehr schönen Ergebnis gekommen. Und den anspruchsvollen Fummelkram – schweißen, Stein fassen, Gravur – machen die Profis.

Pläne für nächste Woche
Ich habe noch ein paar Vorbereitungen zu treffen, bevor ich am 1.10. in die Selbstständigkeit starte, außerdem den ganzen Papierkram wegen der Namensänderung.
Am Dienstag fängt die Dartsaison wieder an, wir starten mit einem Heimspiel.
Handarbeitsmäßig möchte ich die Wolle für die Cria weiterspinnen, mittags ein halbes Stündchen sollte dafür drin sein. Und am Water & Stone werde ich weiterstricken, keine Ahnung, ob ich den bis Oktober fertig bekommen kann, aber viel fehlt ja nicht mehr, versuchen werde ich‘s.
Sportlich steht Lauf- und Krafttraining an: ein- bis zweimal laufen, viermal Krafttraining. Das klingt irgendwie erstmal viel, aber das Krafttraining mache ich zuhause und das sind kurze, intensive Einheiten à 20 bis 30 Minuten, der zeitliche Aufwand ist also äußerst überschaubar. Und da Abs in der Küche gemacht werden, werde ich mir auch mal ein alltagstaugliches Abnehmkonzept ausknobeln. Wobei es da nicht viel zu knobeln gibt: 1.200 bis 1.500 kcal am Tag, Essenspausen, keine Zwischenmahlzeiten, genug Protein und Ballaststoffe, auf ausreichend Schlaf achten. Die Theorie hab ich ja drauf. Ich bin auch schlau genug, das Glas Wein am Abend und das Stück Schokolade am Nachmittag einzuplanen, denn verbieten wird nicht funktionieren. Dann bin ich halt eine Woche später schlank. So.