Weekly Journal – Woche 2

Das war mal eine volle Woche. Gefühlt zumindest, so richtig gesteckt voll waren nur die letzten drei Tage. An den anderen Tagen habe ich Kleinkram erledigt, Dinge wie Friseur, Stiefel zum Schuster bringen, Blutabnahme zum Schilddrüsencheck, alle möglichen Besorgungen, EMails. Die meiste Zeit war ich drinnen, denn draußen war es eklig, es regnet eigentlich ununterbrochen und ist ungemütlich. Den geplanten Wiedereinstieg ins Lauftraining musste ich dank Muskelkater aus der Hölle (sogar in den Fußsohlen!) ohnehin verschieben.

Stricken & Häkeln
Cria wächst langsam. Ich bin in stockinette purgatory, der Glatt-rechts-Vorhölle, es passiert überhaupt nichts im Strickzeug, nur alle 27 Reihen vier Zunahmen. Um ernsthaft Strecke an diesem Strickstück zu machen, hätte es die Unausweichlichkeit einer langen Zugfahrt gebraucht, und es gab sogar eine, aber da habe ich an den Socken weitergestrickt, denn Cria ist inzwischen recht voluminös und wiegt 400 g. Und ich hatte schon das iPad in der Tasche. Und die Power Bank. Und so lang war die Zugfahrt dann auch nicht. Da mochte ich sie nicht auch noch herumtragen.

Spinnen
Das Mauerblümchen ist fertig gesponnen, aber noch nicht verzwirnt. Ich lasse den Single gern ein paar Tage auf der Spule ruhen, er ist dann beim Zwirnen deutlich kooperativer. Da ich aber noch zwei Folgen Game of Thrones übrig und obendrein große Spinnlust hatte, habe ich mit der Scandi Blend weitergemacht – dann und wann leise fluchend. Ich spinne sie fertig. Außerdem habe ich Spinnfasern bestellt, einen wunderbar quietschbunten Kammzug für Sockengarn (70% Superwash Cheviot, je 15% Tussahseide und Nylon) bei Hilltop Cloud.

Sport
Am Montag und am Mittwoch war ich beim Training, das war ganz großartig. Das Knie hatte nichts zu beanstanden. Besonders am Mittwoch hab ich richtig was gelernt – es ist erstaunlich, was man aus drei vermeintlich simplen Eightcounts – das sind sozusagen Kurzchoreografien für zwei Takte – noch so herausholen kann. Wie sind meine Motions – also die Arme? Die Beine, der Kopf? Idealerweise machen wir die Bewegungen alle gleich. Idealerweise. Wir haben mit dem Touchdown-Tanz angefangen, den gibt es auf Youtube, deswegen kann ich ihn euch zeigen:

Gekommen sind wir bis zum Ende des zweiten Achters, das ist, wenn Joan Jett „Seventeen“ singt. Am Montag geht es im Training also weiter mit dieser Klatschkaskade. Ich freu mich drauf, ich mag das Lied auch sehr.

Buch, Bild & Ton
Am Wochenende hatte ich eine Dauerkarte für die Fantasy Filmfest White Nights. Am Samstag ging es am frühen Nachmittag mit Jonathan los: John und Jonathan sind Brüder und teilen sich einen Körper, Jonathan tagsüber, John nachts. Sie hinterlassen einander Videobotschaften in denen sie erzählen, wem sie begegnet sind, was sie gemacht haben, dass eine Waschmaschine angeschmissen werden muss … solche Dinge. Das Leben der beiden ist durchorganisiert und wird therapeutisch begleitet, sie leben damit wie mit einer seltenen Krankheit. Es fällt überhaupt nicht schwer, sich auf die Idee einzulassen, dass so etwas tatsächlich möglich ist, und man bekommt ein gutes Gefühl dafür, welche Probleme ein Leben mit einer solchen „Behinderung“ mit sich bringt – in dieser Hinsicht hat der Film fast etwas dokumentarisches. Hat mir gut gefallen, bis auf das Ende. Das war für mich weder inhaltlich noch von der Art, wie es erzählt wurde, stimmig. Aber ich habe auch keinen besseren Vorschlag, also nehme ich es grummelnd so hin. Der zweite Film des Tages, The Favourite, war eine mit Olivia Colman, Rachel Weisz und Emma Stone hochkarätig besetzte Satire um die Intrigen am Hof von Queen Anne. Böse und absurd. Ich werde ihn noch einmal schauen, weil ich vermute, dass mir trotz der deutschen Untertitel einige Spitzen entgangen sind. Gelegenheit dazu habe ich ab dem 24.1., wenn er regulär in die Kinos kommt. Der deutsche Trailer (und verdammt nochmal, natürlich gibt es wieder eine dämliche deutsche Unterzeile)

Der Sonntag begann mit Cappucino, Schokoriegel und sinnloser Gewalt: Office Uprising war nicht Neues, hat aber viel Spaß gemacht und damit meine Erwartungen hundertprozentig erfüllt. Die Adaption der Murakami-Erzählung Burning kam stiller daher, wenn auch für mich nicht so rätselhaft wie angekündigt. Und auch eigentlich überhaupt nicht herausragend genug, um oscarwürdig zu sein. Zum Abschluss (für mich, es gibt noch einen weiteren Film, aber mir reichen drei am Stück) gab es mit Destroyer noch einen richtig schweren Brocken. Ich muss gestehen, dass ich den ganzen Film über immer wieder „Das ist Nicole Kidman?!?“ denken musste. Eine wirklich beeindruckende, kompromisslose Performance.

unterwegs
Ich habe mich davon überzeugt, dass Bielefeld tatsächlich exisitert. Anlass meines Besuchs war ein Coachingtermin, und der war wirklich beeindruckend. Ich hatte die Coach vor zwei Jahren in Regensburg kennengelernt, dort hatte sie einen Vortrag zum Impostor-Syndrom gehalten (ich berichtete), und seit ich auch noch erfahren hatte, dass sie mit Wingwave arbeitet, wollte ich unbedingt mit ihr arbeiten. Wingwave ist ein Verfahren, das gut eingesetzt werden kann, wenn kognitive Methoden an ihre Grenzen stoßen. Wenn man seine ganze Kindheit und Jugend durchforstet und zerlegt hat und möglicherweise sogar genau weiß, warum einem manche Situationen schwer fallen, man mit diesem Wissen aber nichts anfangen kann. Es führt nicht dazu, dass man sich besser fühlt. Man schafft es vielleicht, sich im Außen so zu verhalten, wie man es möchte, es ist aber ein innerer Kampf, der unverhältnismäßig viel Kraft kostet.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel: wir können, wenn uns der Kollege, der so gern seine Arbeit auf uns ablädt, endlich freundlich, aber bestimmt nein sagen und pünktlich Feierabend machen, können den freien Abend dann aber vor lauter schlechtem Gewissen und Einflüsterungen der inneren Stimmen gar nicht so richtig genießen. Dass wir wissen, woher es kommt, dass wir uns mit dem Neinsagen so schwer tun, nützt uns gar nichts. Im Gegenteil: wir denken: ich weiß doch, woher es kommt, warum kann ich es nicht ändern? Und finden die Ursache ganz schnell in unserer Unzulänglichkeit. Wir geben unheimlich viel auf unsere kognitiven Fähigkeiten, und das ist auch gut, aber manchmal sind sie einfach das falsche Werkzeug. Irgendjemand sagte mal „If your only tool is a hammer every problem looks like a nail.“

Kernelemente von Wingwave sind der Myostatik-Muskeltest, bei dem mit Daumen und Zeigefinger einer Hand ein Ring gebildet wird, den der Coach auf Festigkeit prüft, während er Fragen stellt. Bei Fragen, die einen Stressimpuls auslösen, öffnet der Ring sich. Dazu bilaterale Hemisphärenstimulation, zum Beispiel durch EMDR, womit Augenbewegungen wie im REM-Schlaf erzeugt werden. Das klingt beides ein wenig nach Spökenkiekerei, ist aber sehr gut beforscht. Anschauen kann man sich das zum Beispiel in der vierteiligen SWR-Fernsehserie „Die Seelenflüsterer“ auf YouTube.

Pläne für nächste Woche
Montag und Mittwoch Training, Mittwoch bis Freitag bin ich beim Kunden. Freitag Abend feiern wir drei Jahre Norderstedt und gehen aus diesem Anlass essen. Ansonsten: viel Homeoffice, ich muss mein Portfolio-PDF fertigmachen und das Tagungsheft für das Mensa Jahrestreffen in Hamburg im April weitermachen. Das muss zwar erst Ende März in den Druck, aber erfahrungsgemäß dauern solche Dinge dann am Ende doch länger als geplant, und ich kann den Aufwand ehrlich gesagt noch überhaupt nicht einschätzen. Ich möchte das Mauerblümchen verzwirnen (ich weiß noch immer nicht, ob mit oder ohne Pailetten bzw. Perlen, ich glaube, ich werde einfach ein paar Meter in allen drei Variationen – mit Perlen, mit Pailetten, ohne alles – testzwirnen und schauen, wie es mir gefällt.) Ich habe das Schnittmuster für das Plantain-Shirt von Deer & Doe ausgedruckt und nehme mir für die nächste Woche erstmal noch nicht mehr vor, als meine Größe zu bestimmen, den Bogen zusammenzukleben und die richtige Größe auszuschneiden.

Fantasy Filmfest Nights – Sonntag

13:00 ALONE
Und plötzlich ist Leila ganz allein und die 500.000-Einwohner-Stadt, in der sie lebt, sieht wie Hals über Kopf verlassen aus. Sie trifft nach einiger Zeit auf weitere Jugendliche, die alle die gleiche Geschichte erzählen: sie sind früh morgens aufgewacht und alle waren weg. Ich bin völlig geflasht aus diesem Film gekommen und weiß gar nicht, wo ich anfangen soll zu loben. Der Cast ist toll, die Bilder sind großartig, die Geschichte ist fesselnd und die Figuren und die Freundschaft, die zwischen ihnen entsteht … und ich hab mich die ganze zeit gefragt, wie die Auflösung sein würde, ich hatte keine Idee, und dann fallen die Puzzlesteine doch alle an ihren Platz. Hier passt alles. Die anderen Filme werden es heute schwer haben, das noch zu toppen • mehr auf fantasyfilmfest.com 

15:00 BERLIN SYNDROME
Die Australierin Clare, als Backpackerin in Berlin, findet nach einem One-Night-Stand mit dem charmanten Lehrer Andi am nächsten Morgen dessen Wohnungstür mit einem Stahlriegel versperrt vor. Er hat sie eingeschlossen. Anfangs hält sie das noch für ein Versehen, aber schon bald stellt sich heraus, dass es keines war. Andi, gespielt von Max Riemelt, hat beschlossen, dass sie jetzt ihm gehört. Max Riemelt ist mir zuerst in Sense8 aufgefallen. Er gibt hier den kontrollbesessenen Psychopathen mit einer Intensität, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Die Bilder und der Soundtrack tun ein übriges. Mir ist der Film mit knapp zwei Stunden ein bisschen lang geraten, hat mir aber über weite Strecken sehr gut gefallen. • mehr auf fantasyfilmfest.com 

17:30 THE LIMEHOUSE GOLEM
Und vom Berlin des 21. Jahrhunderts geht es ins London des späten 19. Jahrhunderts, wo ein Serienkiller sein Unwesen treibt. Opulent ausgestattet und mit einer tollen weiblichen Hauptrolle…. und leider sehr schwer verständlichem Englisch. Den Plot hab ich wohl verstanden, aber mir werden einige Feinheiten entgangen sein. Umso mehr freut es mich, dass dieser Film am 7. September in die deutschen Kinos kommt. • mehr auf fantasyfilmfest.com

19:45 THE BELKO EXPERIMENT
Mit den Worten „Willkommen zum abgefuckten Bürofilm von James Gunn“ wurde uns diese Perle von einem Blutbad anmoderiert. Der ganz normale Officewahnsinn trifft hier auf den aus der Psychologie bekannten Weichenstellerfall, allerdings multipliziert mit dreißig. Ein leidenschaftliches Plädoyer für das Homeoffice! • mehr auf fantasyfilmfest.com

21:45 THE BAR
Bei Alex de la Iglesia wird Hysterie zur Kunstform, und er wartet auch diesmal mit schrägen Figuren, absurder Komik und ekligen Details auf. Genau wie erwartet und ein würdiger Rausschmeißer Nach diesem Film hätte man gern Erfrischungstücher reichen dürfen. Das war’s mit den Fantasy Filmfest Nights für dieses Jahr. I’ll be back (<- bitte mit österreichischem Akzent lesen) • mehr auf fantasyfilmfest.com

Fantasy Filmfest Nights – Samstag


Dieses Jahr bin ich mal wieder dabei, und das auch gleich mit Dauerkarte. Zehn Filme werden gezeigt, alle nacheinander und nicht mehr parallel, so wie es in den letzten Jahren üblich ist und im Savoy-Kino auch gar nicht anders geht, denn die haben nur einen Saal. Das Kino ist toll, die Sitze bequem, das Foyer, in dem ich mich die Viertel- bis halbe Stunde zwischen den Filmen aufgehalten habe, gemütlich. Die Lage am Steindamm … nun. Nicht so schön. Aber dafür ist hoffentlich die Miete günstig. Ich war gestern doch ein bisschen überrascht, wie schlecht das Festival besucht ist.
Kommen wir zu den Filmen. Eine ausführliche Rezension kann und will ich hier gar nicht bieten, da gibt es genug Leute, die das besser können als ich. Ich schildere hier nur knapp meine Eindrücke, so, wie sie zwischen zwei Filmen aus mir herausfallen.

14:00 PET
Seth begegnet auf dem Heimweg von seiner Schicht im Tierheim Holly, seinem Highschool-Schwarm von früher. Er versucht, ein Date zu kriegen, kassiert eine Abfuhr, findet raus, wo sie wohnt, entführt sie und sperrt sie im Keller des Tierheims in einen Käfig. Soweit keine sonderlich überraschende Eröffnung, sozusagen „Bauer auf E 4“. Dann entspinnt sich zwischen den beiden ein fesselndes Psychospiel, dessen Verlauf ich so nicht erwartet hätte. Die beiden Hauptdarsteller spielen hervorragend zusammen die Dialoge sind auf den Punkt, hier stimmt alles. Besonders Ksenia Solo als Holly hat mir sehr gut gefallen. Empfehlung • mehr auf fantasyfilmfest.com

16:00 SWEET, SWEET LONELY GIRL
Schwer, Worte dazu zu finden, diesen Film muss ich wirklich noch ein bisschen sacken lassen. Die Stimmung hat mir gefallen, und der Regisseur sagte im anschließenden Q&A, dass die Stimmung auch das ist,worauf es ihm bei seiner Arbeit ankäme. Also dass der Plot hinter der Stimmung zurücksteht. Manche Leute mögen das nicht, er schon. Ich auch. Und wieder eine tolle weibliche Hauptrolle. Jetzt geht es weiter mit Vampirklamauk. Ich hätte gern noch ein halbes Stündchen Pause zum Nachsinnen, aber das gibt der Zeitplan nicht her. Schade. • mehr auf fantasyfilmfest.com

18:00 EAT LOCAL
Ich weiß nicht, woran es genau lag, aber leider hat dieser Film für mich nicht so recht gezündet. Und da – abgsehen von ein paar vereinzelten Lachern – keine Partystimmung im Kino aufkommen wollte, ging es wohl nicht nur mir so. Der Titel (auf dem Plakat am Ende mit einem blutig hingesplatterten S komplettiert) ist drollig, hat aber mit dem Inhalt im Grunde nichts zu tun. Die Figuren sind lustig, bleiben aber insgesamt zu flach (auch hier gibt es drei starke Frauenrollen, insgesamt scheint heute der Frauentag des Festivals zu sein). Dennoch: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und eine nette weißhaarige Dame mit Automatikwaffe noch keinen gelungenen Klamaukfilm. Die Handlung ist gerade eben rudimentär vorhanden. Es ist ein Stückwerk aus Ideen, das nicht so recht zusammenpassen mag. Und wenn jemand in der Beschreibung den britischen Humor lobt, hängt das meine Erwartungslatte ziemlich hoch. Einige Filme konnten die in den letzten Jahren auch reißen (Sightseers und Cockneys vs. Zombies fallen mir aus dem Stand ein, oder auch sämtliche Filme mit Simon Pegg) – dieser leider nicht. • mehr auf fantasyfilmfest.com

Ich habe jetzt eine willkommene Pause bis 20.15h, dann geht es mit Zombieapokalypse weiter. Bis dahin werde ich noch auf Sweet, Sweet Lonely Girl herumdenken.

20:15 IT STAINS THE SANDS RED
Endlich ein bisschen Partystimmung! Diesen Film trägt eine fantastische Brittany Allen, und zwar ganz allein. Stockholm Syndrome with a twist. Und Tamponwerbung. Mehr wird aber nicht verraten. Der Film ist ihr von den Vicious Brothers auf den Leib geschrieben worden, und die wussten, warum. Ich jetzt auch. Empfehlung!  • mehr auf fantasyfilmfest.com

22:30 GOING TO BRAZIL
Hier habe ich nach einer halben Stunde abgebrochen, also nach der Sexparty mit Todesfall und vor der Hochzeit bzw. dem bis an die Zähne bewaffnet im Bikini um die Häuser ziehen. Ich war von vornherein unschlüssig, ob mich dieser Film wirklich interessiert, aber mit einer Dauerkarte kann man ja mal gucken. Hab geguckt. Hat nicht gezündet. Zudem haben die Tatsache, dass es sich um eine französische Originalfassung mit englischen Untertiteln handelte sowie die Aussicht, nach Filmende 30 min auf die nächste U-Bahn warten zu müssen, die Entscheidung erleichtert: ab nach Hause. Heute geht’s weiter.  • mehr auf fantasyfilmfest.com