Weekly Journal – Woche 7

Ich stelle fest, dass Besuche in Facharzt-Zentren eine ähnliche Frustrationserwartung in mir auslösen wie Anrufe im Callcenter eines Dienstleisters mit etwas anderem als einem Standardproblem. Man wartet ewig, bis man dran ist, wird mit Allgemeinplätzchen abgespeist, und beim nächsten Anruf gerät man an einen anderen Mitarbeiter und erzählt seine ganze Geschichte noch einmal. Hört sich die gleichen Allgemeinplätzchen an, erkämpft sich neue, gegen die laufende Uhr … Den Orthopädenbesuch am Montag hätte ich mir komplett schenken können. Ich habe den Namen des Arztes, dessen Sprechstundenhilfe mich aufgerufen hat, nicht verstanden, ich habe nur verstanden, dass es nicht der war, bei dem ich einen Termin vereinbart hatte. Ich wurde in den zehn Minuten der Konsultation hauptsächlich belehrt: Nein, eine Kreuzbandplastik mache man nicht aus der Patellasehne, sondern aus einer Sehne an der Seite des Knies (der 5 cm lange mittige Schnitt unter meiner Kniescheibe ist dann wohl eine Schmucknarbe). Nein, die Matratze habe mit den Rückenschmerzen wohl kaum etwas zu tun. Wie kommen Sie auf den Hüftbeuger? Beugen Sie die Hüfte mal. Tut das weh? Nein? Dann ist es nicht der Hüftbeuger. (Verkürzt, ich sagte verkürzt! Meine Hüfte ist den größten Teil des Tages gebeugt. Aber was weiß ich schon, ich bin nur eine dumme Grafikerin) Und ehe ich „und dann ist da noch mein linkes Knie“ sagen konnte, wurde ich schon mit einem Rezept für Schmerztabletten und der Empfehlung, einmal pro Woche schwimmen zu gehen, aus der Tür geschoben. Wenigstens hatte ich keine lange Anfahrt und musste auch nicht stundenlang im Wartezimmer sitzen. Nur lange genug, um die Datenschutzerklärung zu überfliegen und zu unterschreiben, während am Empfangstresen die nächsten Patienten für alle Wartenden gut hörbar ihre Beschwerden schilderten und ihre Telefonnummern preisgaben.

Stricken & Häkeln
Die Cria ist um 13 Reihen gewachsen, das sind 4 cm. Das sehe ich aber auch nur, weil ich am Montag einen Maschenmarkierer in die aktuelle Reihe geklemmt hatte. Ich hatte sie am Dienstag mit zum Pokalspiel, obwohl sie für ein Unterwegs-Strickzeug zu groß ist, aber die Socken sind zu dunkel für schummrige Kneipenbeleuchtung. Die sind aber, unter anderem dank des virtuellen Stricktreffs mit Susanne, trotzdem so weit gediehen, wie ich mir vorgenommen hatte, soll heißen: der Schaft ist fertig.

Spinnen
Am Montag musste ich nicht nur die zweite Staffel Game of Thrones zurückgeben, ich konnte auch die dritte direkt abholen. Ich habe also nahtlos unterhalten an der Scandi Blend weiterspinnen können und habe vom dritten Kammzug noch 17 g übrig, vielleicht setze ich mich nachher nochmal ans Rad. Die möchte ich nächste Woche also auf jeden Fall fertig spinnen, vielleicht kann ich sogar schon anfangen zu verzwirnen.

Sport
Dienstag, Donnerstag und Samstag war ich laufen, das war gut. Die Knie hatten keine Einwände, dem Rücken hat es auch gut getan, jedenfalls bin ich am Donnerstag zum ersten Mal seit langem ohne Rückenschmerzen aufgewacht und das ist den Rest der Woche auch so geblieben. Und ich habe zum zweiten Mal das Cheerleading an den Nagel gehängt, diesmal endgültig. Ich finde es sehr schade, aber ganz doll wollen reicht halt manchmal nicht. Mein Leben ist schon so voll, ein so großes Projekt passt einfach nicht mehr hinein. Es sind ja nicht nur die viereinhalb Stunden Training pro Woche, ich muss auch unter der Woche zuhause üben und in der Saison sind dann Termine an den Wochenenden. Es ist Leistungssport. Es ist auch schön, mehr Zeit mit Jens verbringen zu können – wenn ich Montag und Mittwoch Training habe und er Dienstag und Donnerstag Dart, bleibt für einen gemütlichen Abend mit gemeinsam Kochen und Zeit füreinander nur der Freitag und das Wochenende. Apropos Dart, in der Dartmannschaft, die dienstags spielt, bin ich auch gemeldet, spiele aber selten, weil es mir meistens zu spät wird. Diese Woche war ich allerdings dabei, es war Pokal und wir sind raus ohne Applaus – ich habe nur ein Doppel gespielt und war da wenigstens nützlich und hab zwei Legs gecheckt. Verloren haben wir es dann 3:2. Ich bin nicht bis zum Ende geblieben und musste noch nicht einmal mit der Bahn nach Hause fahren, weil eine Teamkollegin mich nach Hause gefahren hat, trotzdem war es nach Mitternacht. Für dieses Schlafdefizit habe ich dann zwei Tage bezahlt.

Dies & Das
Es gibt wenige Hausarbeiten, die ich wirklich hasse, und für die meisten (Geschirr spülen, bügeln) habe ich schon Lösungen gefunden (Anschaffung einer Spülmaschine, Abschaffung bügelbedürftiger Kleidung). Die letzte verbleibende war das Staubsaugen. Staubsaugen macht mich wirklich aggressiv: erstmal das Geräusch, dann bleibt das blöde Teil ständig irgendwo hängen, obendrein stinkt es. Ich kriege direkt schlechte Laune, wenn ich nur daran denke. Anfang der Woche hat es mir gereicht, nach einer Dreiviertelstunde erbitterten Ringens mit dem Staubsauger bin ich eingeknickt und habe einen Saugroboter bestellt. Der dröhnt auch, wenn auch nur so laut wie ein Föhn, aber dabei muss ich ihm ja nicht zuhören. Ich gehe dann einfach weg. Ich habe ein preiswertes Modell genommen, ohne intelligente Navigation, das heißt, der kleine Kerl rennt ohne Plan einfach los und macht sauber, bis er irgendwo andotzt, dann dreht er um und eiert so 90 Minuten durch die Wohnung und sammelt halt ein, was er findet (wenigstens einer im Haushalt, der weiß, wo meine ganzen Maschenmarkierer sind). Am Ende des Akkus fährt er heim und lädt seinen Akku auf. Wenn er nicht unter dem Sofa hängenbleibt oder versucht, den Fuß der Stehlampe zu begatten. Er heißt Staubsi. Ich glaube, dass nur sehr wenige Saugroboter in Haushalten keinen Namen haben.

Pläne für nächste Woche
Das mit den neun Stunden Schlaf pro Nacht hat diese Woche nur mäßig funktioniert, wenn es mir gelungen ist, hat es mir allerdings sehr gut getan, das nehme ich mir also noch einmal vor. Ich arbeite von Montag bis Mittwoch in der Agentur und fahre am Freitag nach Bielefeld zur zweiten Coachingrunde, dazu muss ich noch ziemlich viel vorbereiten, was ich seit zwei Wochen vor mir herschiebe, weil es keine sonderlich angenehme Aufgabe ist. Im Homeoffice habe ich als größtes Projekt das Tagungsheft fürs Mensa-Jahrestreffen und ein wenig Kleinkram. Handarbeitsmäßig gilt wie letzte Woche: Cria weiter (bis zu den Tascheneingriffen), Lord Varys-Socken weiter (den ersten fertig) und die Scandi-Blend fertigspinnen.

Waterkant Trophy

IMG_4318Am Wochenende habe ich an meinem ersten DDV-Turnier teilgenommen. Bei den Turnieren des Deutschen Dartverbands gibt es eine Kleiderordnung. Schwarze Hose, Damen auch gern schwarzer Rock, keine Jeans. Hatte ich nicht. Und ich hasse Hosen kaufen. Ich geh an sich nicht gern einkaufen. Also Klamotten. Jedenfalls nicht, wenn ich etwas Bestimmtes suche. Ich brauche – darüber hab ich mich hier auch schon mal beklagt, glaube ich – für Hüfte und Taille unterschiedliche Größen. Und die meisten Hosen haben – nachvollziehbarerweise – nur eine Größe. Es gibt genau ein Jeansmodell von HIS, das mir gut passt, nämlich die Sunny. Und ich hoffe, die nehmen sie nie, nie, nie! aus dem Programm. Andere Hosen sind Glückssache, die Suche langwierig, und meist habe ich da keine Lust zu. Also selber nähen. Bettina hatte grad diese Hose aus der burda genäht. Sah gut aus. Hohe Taille, Reißverschluss an der Seite. Wenige Teile, Schwierigkeitsgrad zwei, sieht so aus, als wäre das innerhalb einer Woche machbar. Also habe ich Stoff gekauft – einen Woll-Polyester-Mix, der sich sehr kooperativ verhalten hat, er hat lediglich ein bisschen gefusselt. Wo wir grad bei kooperativ sind: das kann man von meiner alten Singer nicht behaupten. Das Lämpchen ist durchgebrannt (und nachbestellt, müsste diese Woche kommen), ihre Fadenspannungszicken hatte sie auch wieder und irgendwie kommt aus dem Spulenkasten ein neues Klappern. Und die Pfaff ist immernoch bei 500 EUR. Seufz …

CRW_4221Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden, ich werd sie sogar nochmal nähen. Ich habe schon einen Nadelstreifenstoff gesehen, der mir gut gefällt. Sie sitzt gut. Von Taille auf Hüfte bin ich eine Größe hochgegangen und daher werde ich bei der nächsten Version einen längeren Nahtreißverschluss nehmen. In den vorderen Besatz habe ich – siehe Foto oben – das Foto meiner ersten 180 eingenäht, strategisch so platziert, dass ich es, wenn ich vorm Match mit Panikpipi aufs Klo fliehe, sehe. Viel geholfen hat es nicht, es wurde von Anfang an KO-System gespielt, ohne Gruppenphase, und wir hatten nur ein Spiel. Aber nun habe ich so eine Hose, und im nächsten Jahr im Januar ist ein Turnier in Bremen. Mal schauen, was dann geht.

Die Shirts haben wir auch selbst gestaltet und bei Spreadshirt drucken lassen. Wir haben Doppel gespielt und das sollte man auch sehen, haben also die gleichen Shirts, jeweils vorn den Namen auf einer Dartscheibe, hinten „Noch knapper ist drin“. Das war die Idee meiner Doppelpartnerin. Auch, das „Noch drin“ größer zu machen, so dass man es als erstes sieht, im Sinne von „noch im Turnier“. Ich bin jetzt jedenfalls offiziell angefixt. Eigentlich wollte ich dieses Jahr noch keine Turniere spielen, weil ich dachte, wenn die mir da Scores von 80 und mehr um die Ohren hauen, bin ich noch über 300, wenn sie ausmachen, das macht mir keinen Spaß. Aber das tun sie gar nicht unbedingt, jedenfalls nicht in den ersten Runden, ich hab also auch als Frischling durchaus eine Chance.

Sie haben Ihr Ziel erreicht.

fbmEs ist wieder Dart-Sommerliga. Wir spielen wieder mittwochs in fast identischer Besetzung, aber in einer anderen Spielstätte und daher auch unter einem anderen Namen – letztes Jahr hießen wir „Dart inner Bodega (DiB)“, und da wir nicht mehr „inner Bodega“ spielen, sondern in Marios „unabsteigBAR“, heißen wir jetzt „Frühstück bei Mario (FBM)“. Über die Bedeutung des Wortes „Frühstück“ im Dart habe ich ja unter anderem in meinem etwas länglichen Dart-Eintrag im März gesprochen: die meisten Darter zielen, um möglichst viele Punkte zu erzielen, auf die Triple-20, denn das ist das „wertvollste“ Feld. Direkt nebenan sind die 1 und die 5, und nicht selten biegt mal ein Dart oder auch zwei ab, so dass „26“ ein recht häufiger Score ist. Der Name, sagte man mir, leitet sich von der Häufigkeit ab. Frühstück kommt schließlich auch oft vor. Ich hab aber auch schon gehört, dass er sich auf den historischen Preis für Bed ’n‘ Breakfast (two shillings and a sixpence oder two and six) bezieht. Was mir wahrscheinlicher erscheint, denn wenn ich mich in meinem Umfeld so umgucke, kommt richtiges Frühstück unter der Woche eher selten vor. Da wäre „Latte Macchiato in der U-Bahn“ die passendere Bezeichnung. Für mich ist das ja nichts: ohne Frühstück aus dem Haus. Aber ich schweife ab.
In der letzten Sommerligasaison habe ich fast nur auf die Mütze bekommen. Hin und wieder mal ein Leg – also einen Satz – gewonnen, aber nie das ganze Match. Einerseits hatten wir die Staffel mit den Cracks erwischt, andererseits war ich komplette Anfängerin. Diese Saison läuft es besser. Ich habe etwa die Hälfte meiner Spiele gewonnen und wir sind momentan in der Tabelle auf Platz drei (von acht). Die ersten beiden Mannschaften der insgesamt vier Staffeln kommen ins Finale, und diese Saison ist das für uns wirklich erreichbar. Und mein persönliches Ziel – abgesehen von „viel Spaß haben“ – habe ich auch schon erreicht: ich hatte mir vorgenommen, in die Sonderleistungsliste zu kommen – Postion egal. Hauptsache, mein Name steht drin. Sonderleistungen – in Kürze: jeder Highscore (180 Punkte), möglichst wenige Würfe brauchen (24 Darts oder weniger), High Finishes ab 100. Ich habe am letzten Spieltag 113 ausgeschossen und teile mir jetzt mit acht anderen Platz 58. Auf dem Papier hab ich das Spiel zwar 1:2 verloren, aber gefühlt hab ich’s gewonnen!