Nordische Birke

Noch schnell hinter dem jungen Mann mit dem Aufguss-Eimerchen durch die sich schließende Saunatür schlüpfen, im Stockfinsteren hastig einen Platz suchen, das Handtuch ausbreiten, unter dem Handtuch plötzlich ein Knie (so hoffe ich) fühlen und ein frotteegedämpftes „Hier ist schon besetzt“ hören, dafür vom Wellness-Mitarbeiter getadelt werden: „das hamwa gern, zu spät kommen und dann auch noch Streit anfangen“… so ein Erlebnis gehört tatsächlich in die Kategorie „Peinlichkeiten, die man wider Erwarten überlebt“. Ich habe das für euch getestet.

Butternut

Neulich beim Rewe. Die Kassiererin zieht meine Joghurtbecher über den Scanner und guckt dann ratlos. „Butternut“, versuche ich, mich nützlich zu machen. „1,99 das Kilo, aber die Nummer weiß ich natürlich nicht.“ Die Kassiererin stemmt den Kürbis in die Höhe und brüllt „Frau Meieeeeer!“ quer über den Kassenbereich. „Butternut!“, brüllt Frau Meier zurück. „Der steht nicht in der Liste“, konkretisiert meine Kassiererin das Problem. Frau Meier hat die gleiche Liste, zuckt die Schultern und widmet sich wieder ihren Kunden.

Also macht sich meine Kassiererin auf in Richtung Eingangsbereich, dort steht eine ansprechende Präsentation bunter „Zier- und Speisekürbisse, div. Sorten“. „Ich hab den aus der Gemüseabteilung“, mische ich mich nochmal ein, „neben den Zucchini.“ Sie verschwindet im Markt und ich entschuldige mich beim hinter mir wartenden Kunden für mein kompliziertes Gemüse. Der Kunde seufzt. Er hat nur eine Getränkekiste.

Gerade, als ich mich frage, ob ich ihr als Orientierungshilfe vielleicht doch besser die Salatgurken hätte nennen sollen, kommt die Kassiererin zurück. Auf dem Schild stand auch nur Butternut. Keine Nummer. „Frau Meieeeer!“ – „Dann mach Obst & Gemüse 1,99“. Sie tippt 1,99 ein. Ich überlege kurz, ob ich noch weitere Verwirrung stiften soll, entscheide mich aber dagegen und schlucke den Hinweis auf den Kilopreis herunter, zahle und wuchte mein sensationell günstiges Gemüse in die Einkaufstasche. Ich bekomme noch mit, dass die Getränkekiste des Kunden hinter mir zwölf unterschiedliche Flaschen enthält. Die Antwort von Frau Meier höre ich aber nicht mehr.

Konfetti geht nicht in Saal 1

Vom 27. bis zum 30.12. fand auch dieses Jahr wieder der Chaos Communication Congress im Hamburg CCH statt, der 33. insgesamt, der zweite für mich.

Die Tickets waren schwer zu bekommen, der Verkauf auf drei Tage limitiert. Das Kartenkontingent für den ersten Verkaufstag war innerhalb einer Viertelstunde weg, und an den anderen beiden Tagen war es wohl nicht besser. Ich habe trotzdem eines bekommen – der Wollmeise-Shop zu schlimmsten Hype-Zeiten war eine harte, aber gute Schule – und obendrein habe ich kurzfristig Urlaub für die Tage bekommen. Yay!

Wenn ich meine Erfahrungen in diesen vier Tagen in ein Wort fassen soll, dann ist es „überwältigend“. Überall gab es etwas zu gucken, und damit meine ich nicht nur die Vorträge in den Sälen. Von denen habe ich tatsächlich wenige live gesehen, denn die gibt es alle auf media.ccc.de als Aufzeichnung. Ich war viel im Sendezentrum bei den Podcastern. Habe Toby vom Realitätsabgleich bzw. dem Einschlafen Podcast Norderstedter Bier vorbeigebracht. Habe Moni und Chris und Damned Snob getroffen. Und ehemalige Kollegen. Und Thomas aus Wien. Hab meine Jahresration an Mate zu mir genommen, am letzten Tag tatsächlich in Form von Tschunk Slush bei den Jungs vom RaumZeitLabor – an den anderen Tagen war der entweder alle oder noch nicht fertig. Leider habe ich auch diesmal weder ein Schloss geknackt noch löten gelernt – die Lockpicking-Workshops waren ausgebucht und das Löten hat zeitlich auch nicht gepasst. Und ich hatte mir wieder viel zu viel vorgenommen. Und bin teilweise durchs CCH gestolpert und habe mich gefragt, was ich eigentlich hier mache – ich kleines Licht. „Auf der Suche nach der eigenen Zulänglichkeit“, wie Moni es so treffend formulierte. Ich glaube, es ging dort vielen so.

„Konfetti geht nicht in Saal 1“ ist übrigens ein Zitat aus der Closing Ceremony mit Nicolas Wöhrl and Reinhard Remfort, deren Methodisch Inkorrekt Livesendung für mich zu den Highlights der Veranstaltung gehörte. Hier sind ein paar Eindrücke. Dieses Jahr gern wieder, vorausgesetzt, es findet in Hamburg statt.