Tausend Fragen – 221 bis 240

221. Gibt es Freundschaft auf den ersten Blick?
Nein, nur Sympathie auf den ersten Blick. Und da kann dann was draus werden.

222. Gönnst du dir selbst regelmässig eine Pause?
Ja, naja. Ich übe das noch.

223. Bist du jemals verliebt gewesen, ohne es zu wollen?
Ohne es zu wollen im Sinne von ohne Vorsatz: immer.
Ohne es zu wollen mit aktivem Nichtwollen: selten. War nicht schön.

224. Steckst du Menschen in Schubladen?
Ja, ich räume allerdings recht oft um.

225. Welches Geräusch magst du?
Wenn der Wind ums Haus pfeift.

226. Wann warst du am glücklichsten?
Ich bin mir gar nicht sicher, ob „glücklich“ wirklich ein steigerungsfähiges Adjektiv ist. Ich erinnere mich an viele glückliche Momente (siehe Frage 239 unten), es gelingt mir aber nicht, sie in irgendeiner Form nach Wertigkeit zu sortieren.

227. Mit wem bist du gern zusammen?
Mit Menschen, bei denen ich das Gefühl habe, dass ich sein darf wie ich bin.

228. Willst du immer alles erklären?
Ja, das ist wirklich ganz furchtbar.

229. Wann hast du zuletzt deine Angst überwunden?
Als ich mich im August 2017 an einen fremden, aber freundlichen Niederländer geschnürt aus 4000 m Höhe aus einem Flugzeug schieben ließ.

230. Was war deine größte Jugendsünde?
Möglicherweise Outfit und Frisur, die ich auf dem Klassenfoto der 7. Klasse trug.

231. Was willst du einfach nicht einsehen?
Zum Beispiel dass das gängige 40-Wochenstunden-Arbeitsmodell unserer Gesellschaft das Optimum darstellen soll und dass diejenigen, die das nicht (mehr) mitmachen wollen, sich dafür verteidigen müssen.

232. Welche Anekdote über dich hörst du noch häufig?
Ich höre überhaupt keine Anekdoten über mich.

233. Welchen Tag in deinem Leben würdest du gern noch einmal erleben?
Keinen.

234. Hättest du lieber mehr Zeit oder mehr Geld?
Spontane Antwort: Zeit, bitte. Das, was ich damit dann machen wollte, würde allerdings auch Geld kosten, also ist es wohl doch nicht so einfach.

235. Würdest du gern in die Zukunft schauen können?
Lieber nicht.

236. Kannst du gut deine Grenzen definieren?
Definieren klappt super – das Problem ist, sie zu wahren.

237. Bist du jemals in eine gefährliche Situation geraten?
Ich glaube, als ich als Kind im Schwimmbad nach dem Rückwärtssalto vom Einer wieder auftauchte und mir die anderen Kinder sagten, dass ich mit meinem Kopf recht knapp am Brett vorbeigeflogen war – seitdem habe ich mich keinen Rückwärtssalto mehr getraut.

238. Hast du einen Tick?
Wenn ich eine Lebensmittelpackung öffne, rieche ich daran. Auch, wenn der Inhalt gar nicht schlecht sein kann.

239. Ist Glück ein Ziel oder eine Momentaufnahme?
Ein Moment.

240. Mit wem würdest du deine letzten Minuten verbringen wollen?
Oh, am liebsten mit meinem Mann. Ich weiß, dass das ein großer Wunsch ist, ich hoffe, er ist nicht zu groß. Den eigenen Tod stirbt man nur, mit dem der anderen muss man leben. Aber bis dahin dauert es hoffentlich noch eine Weile.

Quelle: Flow-Magazin

Weekly Journal – Woche 2

Das war mal eine volle Woche. Gefühlt zumindest, so richtig gesteckt voll waren nur die letzten drei Tage. An den anderen Tagen habe ich Kleinkram erledigt, Dinge wie Friseur, Stiefel zum Schuster bringen, Blutabnahme zum Schilddrüsencheck, alle möglichen Besorgungen, EMails. Die meiste Zeit war ich drinnen, denn draußen war es eklig, es regnet eigentlich ununterbrochen und ist ungemütlich. Den geplanten Wiedereinstieg ins Lauftraining musste ich dank Muskelkater aus der Hölle (sogar in den Fußsohlen!) ohnehin verschieben.

Stricken & Häkeln
Cria wächst langsam. Ich bin in stockinette purgatory, der Glatt-rechts-Vorhölle, es passiert überhaupt nichts im Strickzeug, nur alle 27 Reihen vier Zunahmen. Um ernsthaft Strecke an diesem Strickstück zu machen, hätte es die Unausweichlichkeit einer langen Zugfahrt gebraucht, und es gab sogar eine, aber da habe ich an den Socken weitergestrickt, denn Cria ist inzwischen recht voluminös und wiegt 400 g. Und ich hatte schon das iPad in der Tasche. Und die Power Bank. Und so lang war die Zugfahrt dann auch nicht. Da mochte ich sie nicht auch noch herumtragen.

Spinnen
Das Mauerblümchen ist fertig gesponnen, aber noch nicht verzwirnt. Ich lasse den Single gern ein paar Tage auf der Spule ruhen, er ist dann beim Zwirnen deutlich kooperativer. Da ich aber noch zwei Folgen Game of Thrones übrig und obendrein große Spinnlust hatte, habe ich mit der Scandi Blend weitergemacht – dann und wann leise fluchend. Ich spinne sie fertig. Außerdem habe ich Spinnfasern bestellt, einen wunderbar quietschbunten Kammzug für Sockengarn (70% Superwash Cheviot, je 15% Tussahseide und Nylon) bei Hilltop Cloud.

Sport
Am Montag und am Mittwoch war ich beim Training, das war ganz großartig. Das Knie hatte nichts zu beanstanden. Besonders am Mittwoch hab ich richtig was gelernt – es ist erstaunlich, was man aus drei vermeintlich simplen Eightcounts – das sind sozusagen Kurzchoreografien für zwei Takte – noch so herausholen kann. Wie sind meine Motions – also die Arme? Die Beine, der Kopf? Idealerweise machen wir die Bewegungen alle gleich. Idealerweise. Wir haben mit dem Touchdown-Tanz angefangen, den gibt es auf Youtube, deswegen kann ich ihn euch zeigen:

Gekommen sind wir bis zum Ende des zweiten Achters, das ist, wenn Joan Jett „Seventeen“ singt. Am Montag geht es im Training also weiter mit dieser Klatschkaskade. Ich freu mich drauf, ich mag das Lied auch sehr.

Buch, Bild & Ton
Am Wochenende hatte ich eine Dauerkarte für die Fantasy Filmfest White Nights. Am Samstag ging es am frühen Nachmittag mit Jonathan los: John und Jonathan sind Brüder und teilen sich einen Körper, Jonathan tagsüber, John nachts. Sie hinterlassen einander Videobotschaften in denen sie erzählen, wem sie begegnet sind, was sie gemacht haben, dass eine Waschmaschine angeschmissen werden muss … solche Dinge. Das Leben der beiden ist durchorganisiert und wird therapeutisch begleitet, sie leben damit wie mit einer seltenen Krankheit. Es fällt überhaupt nicht schwer, sich auf die Idee einzulassen, dass so etwas tatsächlich möglich ist, und man bekommt ein gutes Gefühl dafür, welche Probleme ein Leben mit einer solchen „Behinderung“ mit sich bringt – in dieser Hinsicht hat der Film fast etwas dokumentarisches. Hat mir gut gefallen, bis auf das Ende. Das war für mich weder inhaltlich noch von der Art, wie es erzählt wurde, stimmig. Aber ich habe auch keinen besseren Vorschlag, also nehme ich es grummelnd so hin. Der zweite Film des Tages, The Favourite, war eine mit Olivia Colman, Rachel Weisz und Emma Stone hochkarätig besetzte Satire um die Intrigen am Hof von Queen Anne. Böse und absurd. Ich werde ihn noch einmal schauen, weil ich vermute, dass mir trotz der deutschen Untertitel einige Spitzen entgangen sind. Gelegenheit dazu habe ich ab dem 24.1., wenn er regulär in die Kinos kommt. Der deutsche Trailer (und verdammt nochmal, natürlich gibt es wieder eine dämliche deutsche Unterzeile)

Der Sonntag begann mit Cappucino, Schokoriegel und sinnloser Gewalt: Office Uprising war nicht Neues, hat aber viel Spaß gemacht und damit meine Erwartungen hundertprozentig erfüllt. Die Adaption der Murakami-Erzählung Burning kam stiller daher, wenn auch für mich nicht so rätselhaft wie angekündigt. Und auch eigentlich überhaupt nicht herausragend genug, um oscarwürdig zu sein. Zum Abschluss (für mich, es gibt noch einen weiteren Film, aber mir reichen drei am Stück) gab es mit Destroyer noch einen richtig schweren Brocken. Ich muss gestehen, dass ich den ganzen Film über immer wieder „Das ist Nicole Kidman?!?“ denken musste. Eine wirklich beeindruckende, kompromisslose Performance.

unterwegs
Ich habe mich davon überzeugt, dass Bielefeld tatsächlich exisitert. Anlass meines Besuchs war ein Coachingtermin, und der war wirklich beeindruckend. Ich hatte die Coach vor zwei Jahren in Regensburg kennengelernt, dort hatte sie einen Vortrag zum Impostor-Syndrom gehalten (ich berichtete), und seit ich auch noch erfahren hatte, dass sie mit Wingwave arbeitet, wollte ich unbedingt mit ihr arbeiten. Wingwave ist ein Verfahren, das gut eingesetzt werden kann, wenn kognitive Methoden an ihre Grenzen stoßen. Wenn man seine ganze Kindheit und Jugend durchforstet und zerlegt hat und möglicherweise sogar genau weiß, warum einem manche Situationen schwer fallen, man mit diesem Wissen aber nichts anfangen kann. Es führt nicht dazu, dass man sich besser fühlt. Man schafft es vielleicht, sich im Außen so zu verhalten, wie man es möchte, es ist aber ein innerer Kampf, der unverhältnismäßig viel Kraft kostet.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel: wir können, wenn uns der Kollege, der so gern seine Arbeit auf uns ablädt, endlich freundlich, aber bestimmt nein sagen und pünktlich Feierabend machen, können den freien Abend dann aber vor lauter schlechtem Gewissen und Einflüsterungen der inneren Stimmen gar nicht so richtig genießen. Dass wir wissen, woher es kommt, dass wir uns mit dem Neinsagen so schwer tun, nützt uns gar nichts. Im Gegenteil: wir denken: ich weiß doch, woher es kommt, warum kann ich es nicht ändern? Und finden die Ursache ganz schnell in unserer Unzulänglichkeit. Wir geben unheimlich viel auf unsere kognitiven Fähigkeiten, und das ist auch gut, aber manchmal sind sie einfach das falsche Werkzeug. Irgendjemand sagte mal „If your only tool is a hammer every problem looks like a nail.“

Kernelemente von Wingwave sind der Myostatik-Muskeltest, bei dem mit Daumen und Zeigefinger einer Hand ein Ring gebildet wird, den der Coach auf Festigkeit prüft, während er Fragen stellt. Bei Fragen, die einen Stressimpuls auslösen, öffnet der Ring sich. Dazu bilaterale Hemisphärenstimulation, zum Beispiel durch EMDR, womit Augenbewegungen wie im REM-Schlaf erzeugt werden. Das klingt beides ein wenig nach Spökenkiekerei, ist aber sehr gut beforscht. Anschauen kann man sich das zum Beispiel in der vierteiligen SWR-Fernsehserie „Die Seelenflüsterer“ auf YouTube.

Pläne für nächste Woche
Montag und Mittwoch Training, Mittwoch bis Freitag bin ich beim Kunden. Freitag Abend feiern wir drei Jahre Norderstedt und gehen aus diesem Anlass essen. Ansonsten: viel Homeoffice, ich muss mein Portfolio-PDF fertigmachen und das Tagungsheft für das Mensa Jahrestreffen in Hamburg im April weitermachen. Das muss zwar erst Ende März in den Druck, aber erfahrungsgemäß dauern solche Dinge dann am Ende doch länger als geplant, und ich kann den Aufwand ehrlich gesagt noch überhaupt nicht einschätzen. Ich möchte das Mauerblümchen verzwirnen (ich weiß noch immer nicht, ob mit oder ohne Pailetten bzw. Perlen, ich glaube, ich werde einfach ein paar Meter in allen drei Variationen – mit Perlen, mit Pailetten, ohne alles – testzwirnen und schauen, wie es mir gefällt.) Ich habe das Schnittmuster für das Plantain-Shirt von Deer & Doe ausgedruckt und nehme mir für die nächste Woche erstmal noch nicht mehr vor, als meine Größe zu bestimmen, den Bogen zusammenzukleben und die richtige Größe auszuschneiden.

Tausend Fragen – 201 bis 220

201. Wie gut kennst du deine Nachbarn?
Überhaupt nicht.

202. Hast du oft Glück?
Nein, aber manchmal.

203. Von welcher Freundin unterscheidest du dich am meisten?
Das kann ich mangels Auswahl nicht beantworten.

204. Was machst du anders als deine Eltern?
So viel wie möglich.

205. Was gibt dir neue Energie?
Ein Ausflug ans Meer oder in eine Stadt, die ich noch nicht kenne.

206. Warst du in der Pubertät glücklich?
Nein, im Gegenteil, ich war sehr unglücklich. (Ist Unglücklichsein nicht ein Kernfeature der Pubertät?)

207. Wann hast du zuletzt eine Nacht durchgemacht?
Ich erinnere mich nicht, das ist zu lange her. Seit ich Mitte der Neunziger meine erste Panikattacke hatte, haben durchgemachte Nächte komplett ihren Reiz verloren. Ich bin danach zwei Tage krank und gehe psychisch auf dem Zahnfleisch, das ist es einfach nicht wert.

208. Womit beschäftigst du dich am liebsten in deinen Tagträumen?
Ich schmiede Pläne für alles Mögliche.

209. Blickst du oft um?
Fehlt da nicht ein „dich“? Ja, schon, vor allem im Straßenverkehr.

210. Was wissen die meisten Menschen nicht über dich?
Dass ich nicht so stark bin wie ich nach außen wirke.

211. Worüber hast du mit deinem Partner immer wieder Streit?
Manchmal hakt es in der Kommunikation.

212. Worauf freust du dich jeden Tag?
Auf meinen großen Becher Tee am Morgen.

213. Welche Freundschaft von früher fehlt dir?
Die mit Alex.

214. Wie gehst du mit Stress um?
Ich sorge nicht mehr gut für mich.

215. Gibst du dich gelegentlich anders, als du in Wirklichkeit bist?
Ja, siehe Frage 210.

216. In welchem Punkten gleichst du deinem Vater?
Ich mag keine hässlichen Menschen.

217. Kann man Glück erzwingen?
Nein.

218. Welcher Streittyp bist du?
Der schnelle – das heißt nicht, dass ich schnell in Streit gerate, sondern dass ich im Streit sehr schnell werde mit meinen Argumenten.

219. Bist du morgens gleich nach dem Aufwachen richtig munter?
Das kommt drauf an, wie die Nacht war. Meistens schon.

220. Wie klingt dein Lachen?
Das müssen andere beurteilen.

Quelle: Flow-Magazin